#103: Rückblick: Au Revoir Südfrankreich

Der Frühling in Berlin hat uns wieder: Denn unsere kleine Winterauszeit ist zu Ende! Drei Monate WWOOF in Südfrankreich, war eine intensive Erfahrung! Wir erhielten tiefe Einblicke in den ökologischen Gemüseanbau und lernten interessante Leute kennen.

Auf unserem ersten Hof in Alès beliefert Vincent die „Biocoop“–  eine französische Öko-Supermarktkette. Mit gerade mal zwei Tunneln und ein paar sehr überschaubaren Ackerflächen, baute er äußerst effektiv vielfältiges Gemüse an und das ohne chemische Hilfe oder Angestellte. Das war wirklich Bio-Gemüse aus der Region!

Weiter ging es für uns mit den Rädern zu einem ganz anderen Projekt. Val und Jess entschieden sich einst, aus dem gängigen Berufsalltag auszusteigen und mit Selbstversorgung und Pferden auf dem Land zu leben. Heimisch wurden sie in einem gemütlichen Häuschen zwischen Toulouse und Pau. Dort bauen sie unterschiedlichstes Gemüse für den Eigenbedarf an und entwickeln eine eigene Kooperative, um ihre Produkte gemeinsam mit anderen Produzent:innen oder Landwirt:innen aus der Region zu verkaufen.

Was uns am meisten überraschte: Beide Hosts hatten Flächen, die nicht unmittelbar am Haus lagen und wie viel man auf einem kleinen Grundstück anbauen kann. Vielen Dank an Vincent, Cécile, Val und Jess , ihr wart wirklich herzliche Gastgeber!


Allerdings müssen wir auch zugeben, dass wir tatsächlich ein irritierendes Erlebnis zum Abschluss hatten: Für Danas letzte Woche im Land wollten wir für eine Woche auf einem Pferdehof unweit von Lyon. Die Rezensionen klangen überschwänglich: „Ich habe eine wundervolle Zeit mit B., ihrer Familie und ihren Tieren verbracht. Der Empfang ist herzlich und die Atmosphäre gemütlich.“ Für uns galt das leider so gar nicht.

Als wir mit den Rädern den Berg hoch strampelten, stellte sich unsere Gastgeberin zur Begrüßung nicht vor, so dass wir erst dachten, sie sei eine nicht informierte Mitarbeiterin und nicht die Person, mit der wir seit Wochen schrieben. Die erste Frage lautete gleich: „Seid ihr Freunde oder Schwestern?“ Verwundert konterten wir, dass wir ein Paar sind, was wir bereits in unserer Anfrage schrieben, nur hatten wir nicht noch mal explizit betont, dass wir beide Frauen sind.

Und so durften wir wegen „familiären Problemen“ spontan nur zwei Tage bleiben und selbst die waren stark verwirrend: Zunächst wies sie uns spontan zwei Einzelbetten zu, statt dem bereits vorbereiteten Doppelbett. Dana saß zum ersten Mal an einem Tisch, wo gebetet wurde und der Hausherr hatte klare Vorstellungen, wie jede Kleinigkeit erledigt werden musste. Insgesamt fühlten wir uns wie schwer erziehbare Jugendliche, denen man klare Anweisungen gibt und jeden Handgriff en détail erklärt, anstatt einfach freundlich zu fragen. Das Gelände, die Tiere und die Unterkunft waren traumhaft, aber unsere Gastgeberin redete außer Arbeitsanweisungen kaum mit uns und ihr Mann versuchte sich zwar in lockerer Konversation, war aber ein wirklich anstrengender Patriarch, der sich gern bedienen ließ.

Anke flüchtete schließlich wieder zurück zu Vincent und Cécile, die sie erneut mit offenen Armen empfingen und Dana fuhr etwas früher als geplant zurück nach Berlin. Aber vorher gönnten wir uns ein  letztes romantisches Wochenende an der Rhône.

Rückblickend stellen wir fest, dass diese kleine Winterauszeit auf ökologischen Höfen uns wirklich viel Einblick in die französische Landwirtschaft und Kultur gegeben hat. Und obwohl es der regenreichste Winter in den letzten Jahrzehnten war, konnten wir doch den eisigen Phasen in Berlin entgehen. Südfrankreich ist sogar im Januar bedeutend grüner, heller und wärmer als Deutschland, trotz des außergewöhnlich hohen Niederschlags. Unser Ziel, unsere Französischkenntnisse aufzupeppen, hat auf jeden Fall funktioniert, Familienalltag sei Dank. Aber sich an den täglichen Rhythmus unserer Hosts anzupassen, fiel uns nicht immer leicht.

Erkenntnis am Ende: Bäuerinnen werden wir wohl nicht mehr, aber regelmäßige Landluft, Bewegung und Natur tun uns gut. Frankreich bleibt ein Sehnsuchtsort, der uns sicherlich auch in Zukunft immer mal wieder begegnet. Und für die nächste Zeit heißt es erstmal: Die bekannten Strukturen zu Hause genießen und dabei die Tage nach unseren Vorstellungen planen.

Budget: Übrigens, wenn ihr euch fragt: „Wie leisten die sich das immer?“ Die Antwort ist: Low Budget. Auch diesmal haben wir zusammen 1.000 Euro pro Monat Reisebudget veranschlagt. Da wir unterwegs immer akribisch unsere Kosten erfassen, können wir feststellen: Das hat recht gut funktioniert. Auf den Höfen weitab der Zivilisation ist es schwer, Geld auszugeben. Allerdings haben wir die Reisekosten für Bus und Bahn etwas unterschätzt. Obendrauf kommen noch individuelle Fixkosten, wie Telefon, Krankenversicherung oder Vereine.

Dana hat gemeinsam mit Steff Urgast ein Essayband im Querverlag veröffentlicht: „Feministisch im Job? Wir arbeiten dran“ ist im üblichen Buchhandel erhältlich. Derzeit gibt es einige Lesungen in Berlin und andere Orte sind noch in der Planung. Und es gibt schon das erste Interview dazu.

Veröffentlicht von Fabulous Female Cyclists

Ich war gerade 16 Monate mit dem Fahrrad unterwegs. Berlin-Sydney

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