Time to say Goodbye. Unsere Zeit in Neuseeland geht langsam dem Ende entgegen. đ Ganze zwei Monate hatten wir fĂŒr beide Inseln. Wie ihr in den letzten Posts sehen konntet, entdeckten wir dabei jede Menge erstaunliche Ecken des Landes.
Abschiedsparty bei Luce und James
Dabei haben wir die meiste Zeit (ganze 6 Wochen!) auf Farmen mit angepackt. Und wir durften sogar zweimal Housesitterinnen sein (also fĂŒr ein paar Tage ganz alleine auf Haus und Hof aufpassen). Das war ganz schön viel Verantwortung mit all den verschiedenen Tieren und ihren speziellen BedĂŒrfnissen – hat uns aber trotzdem sehr gut gefallen.
TschĂŒss Kater Gus!Feierabend!Anke genieĂt lieber ein Feierabendfeuer.Adieu, paradiesisches GrundstĂŒck.
Jetzt wwoofen wir noch ein paar letzte Tage bei Steph und ihren drei Kids. Wir sind einfach von unserer letzten Gastfamilie zur Schwester nebenan gewechselt. Doch vor dem Umzug gab es noch eine lustige Wasserrutschenparty mit allen Kids von beiden Höfen. đđ
Und ab zur nĂ€chsten Farm.Bei Steph schleppen wir fröhlich Holz.Mit dem âFarm-Quadâ…… macht die Arbeit ĂŒberall SpaĂ.Zieh!Alle KĂŒhe noch da?
Und dann heiĂt es bald: Goodbye New Zealand, hello Western Australia. đŠđș
Happy New Year! đ„đ Wow. Wie die Zeit vergeht, letztes Silvester verbrachten wir noch mit unseren RĂ€dern in Laos und nun sind wir – nach einem aufregenden Berliner Sommer – wieder weit weg von zu Hause in Neuseeland. Manchmal können wir unsere ganzen abenteuerlichen Erlebnisse selbst kaum glauben. Was das nĂ€chste Jahr wohl bringt?đ€đ
Unsere Gastfamilie.
Die Zeit zwischen den Jahren haben wir genutzt, um Dinge zu machen, die wir mögen und uns entspannen: in die Natur gehen, neue Orte entdecken, Reisen⊠Nicht nur sind wir zum Ben Lomond gewandert, sondern schlugen unser Zelt sogar mit Blick auf die NeuseelÀndischen Alpen auf.
Los geht’s.Auf zum Ben Lomond.Was fĂŒr eine Strecke.Zum Greifen nah: Der Gipfel.Am Ziel: âJeah!âDer Weg zum Campingplatz.Endlich wieder Zelten.Erst lecker Abendessen.Dann die schöne Vollmondnacht…… und zum Abschluss lecker FrĂŒhstĂŒck.
Unsere aktuelle Gastfamilie war mit uns am Mount Cook (Neuseelands höchsten Berg) mit Aussicht auf den Gletscher. đïžDafĂŒr packen wir jetzt noch mal ein paar Tage ordentlich an und kĂŒmmern uns um Tiere und Hof.đ§âđŸđđđââŹđł
Auf zum Mount Cook.Zeit fĂŒr die Farmarbeit.Danas neues LieblingsgefĂ€hrt.Die Beete brauchen Mulch.Und es muss immer was getrimmt werden.Beau passt auf.Neue BĂŒsche sorgen bald fĂŒr Windschutz.Noch mehr trimmen.Zeit fĂŒr Feierabend⊅ und Sonnenuntergang.
Ho. Ho. Ho.đŠđ Wir wĂŒnschen euch frohe Feiertage und eine erholsame Zeit am Jahresende.đđ§ Gerade gönnen wir uns im touristischen Queenstown eine kleine Auszeit vom Wwoofen. đĄ
Vor ein paar Tagen besuchten wir in der KĂŒstenstadt Oamaru das Steampunk Museum – das war schön schaurig. ZusammengeschweiĂte Maschinen und reichlich Zeit zum Spielen mit elektronischen, dampfenden Skulpturen. Und nicht nur das – die ganze Stadt ist im Steampunkrausch.đđš
Unsere erste Farmwoche auf der SĂŒdinsel von Neuseeland geht damit zu Ende. Es war wunderbar bei Lucianne, James und ihren Kids. Wir stĂŒrzten uns auf die Gartenarbeit und Dana trainierte etwas die Pferde, wĂ€hrend im Hintergrund das Meer rauschte.đ
Was fĂŒr eine Aufgabe! Vorher.Mittendrin.Immernoch mittendrin.Und fertig ist der versprochene âRose Gardenâ.Neue BĂŒsche werden gepflanzt.Bodentraining.Garten trifft Pferd: Hier entsteht Mulch.Da bedankt sich Anke gleich mal.Auch der Elektrozaun braucht UnterstĂŒtzung.Feierabend am Strand.
Obendrein gab es einen fantastischen Familienausflug zu den kugelrunden Bouldern von Moeraki, inklusive jeder Menge Seelöwen. Die Legende besagt, dass die Boulder Reste von Aalkörben, FlaschenkĂŒrbissen und SĂŒĂkartoffeln seien, die vom Wrack des legendĂ€ren Kanus Arai-te-uru an die KĂŒste gespĂŒlt wurden. đȘšđ đ Dieses brachte einst 15 StammesfĂŒhrer der MÄori nach Neuseeland.
Was diese Boulder wohl sind?Versteinerte Reste der MÄorikultur?Eier von Aliens?Oder doch nur Geologie?Wie viele Seelöwen sind hier?Auch hier sind einige versteckt.
Juhu, Farm Nummer 3! đđ§âđŸ Wir sind auf unserem nĂ€chsten Wwoofing-Hof (auf der SĂŒdinsel von Neuseeland) angekommen. Hier ging es sogleich mit den Pferden zum Strandspaziergang, denn das GrundstĂŒck liegt direkt am Meer. Und so war Dana sogar schon surfen, wĂ€hrend Anke fleiĂig im Permakulturgarten half.
Pferd & Strand – ein Traum fĂŒr Dana.Bo und Anke waren fleiĂig,..… wĂ€hrend Dana in den Wellen spielte.
GlĂŒcklich und erschöpft kamen wir hier an. Denn mit Bus, FĂ€hre und ein wenig Trampen haben wir uns von der Nord- zur SĂŒdinsel durchgeschlagen. Ohne FahrrĂ€der ist Reisen fĂŒr uns ganz schön viel Orga-Aufwand. Zumal in Neuseeland das Busnetz nur gröĂere StĂ€dte abdeckt und es im ganzen Land kaum ZĂŒge gibt.
Was fĂŒr ein Ausblick: Wellington.Das Parlament …… und seine Bibliothek.Endlich ein Kiwi.Diese Riesenvögel sind lĂ€ngst ausgestorben.
Ganze 20 km sind wir an einem Tag gewandert! đ± Wie Frodo und Sam stapften wir tapfer nach âMordorâ mit Blick auf den âSchicksalsbergâ. Im neuseelĂ€ndischen âTongariro National Parkâ fĂŒhrte unser Weg vorbei an warm dampfenden Schloten, rauf zum Rand des âRed Cratersâ und schlieĂlich zu den smaragdgrĂŒnen âEmerald Lakesâ.
Los geht’s: 0 km.Schon 9 km geschafft.Der âRote Kraterâ.Echte Hobbits brauchen Proviant.Die âEmerald Lakesâ.
Der 2.291 m hohe Vulkan âMount Ngauruhoeâ diente (aufgemotzt mit Spezialeffekten) in âHerr der Ringeâ als âFeuerbergâ und zieht in der irdischen RealitĂ€t tĂ€glich hunderte Touristen an. Und das obwohl das spektakulĂ€re âAlpine Crossingâ mal eben 8 Stunden dauert (mit 840 Höhenmeter Aufstieg). Unsere Beine (und FĂŒĂe, HĂŒften, RĂŒckenâŠ) haben jedenfalls ganz schön gelitten. đ« Aber es war fantastisch, trotz der vielen Leute! … Und ganz ohne die Last des einen Ringes. đ
Juhu âMount NgauruhoeâSeht ihr die Touri-Schlange?Ganz schön viel los in Mordor.Der Vulkan formte die Landschaft.Auch hier ist Lava versteckt.
Damit haben wir unsere zweite Farm auf dieser Reise verlassen und brechen nun Richtung SĂŒdinsel auf. Vielen Dank Sonja und Monique fĂŒr diese entspannte, gesellige und beeindruckende Erfahrung. Dank euch konnten wir so viel mehr in Neuseeland entdecken.
Dana kĂŒmmert sich um die Pferde,…… wĂ€hrend Anke fleiĂig Unkraut jĂ€tet.Unser Liebling Shelly darf aber nicht in den Garten.Erste Ergebnisse: Die Rote Bete kommt schon.Gut, ein bisschen hilft Dana auch im Garten.Noch ein letztes Eis und dann heiĂt es …… Goodbye Pongarosa.
Willkommen bei den Hobbits.đïž Die Filmfans unter euch wissen natĂŒrlich: In Neuseeland wurden âHerr der Ringeâ und âDer Hobbitâ gedreht. Bestens vorbereitet (Filme, BĂŒcher und Hörspiele dienten als Reiseunterhaltung) fuhren wir nach âHobbitonâ, dem ehemaligen Farmland, das als Filmkulisse fĂŒr die Heimat der Hobbits diente und seitdem eine absolut massentaugliche SehenswĂŒrdigkeit ist. Und? FĂŒr Anke war das ein lustiger und gelungener Geburtstag. đđ„ł
Wir sind bereit.Gut, erstmal ein StĂŒck KĂ€se.Dann zur Imkerin…… und danach zum Blumen-Hobbit.Auf der Farm gibt es immer noch viele Schafe.
AuĂerdem entdeckten wir die Gegend um Rotorua und schlugen unser Zelt ganz in der NĂ€he von Thermalquellen auf. Blubbernde âMud Holesâ, mystisch aufsteigender Dampf mitten im Wald und sogar ein neonfarbenes Wasserloch bestaunten wir. Bei all den geothermalen und vulkanischen AktivitĂ€ten wurden wir ganz ehrfĂŒrchtig.đđ
Schlammvulkanismus ist einfach faszinierend.Ganz ohne Photoshop…… dafĂŒr mit viel Sulfaten.
P.S. Auch wenn es auf den Fotos nicht so aussieht, arbeiten wir eigentlich noch auf einem wunderbaren Hof, aber Dank unserer fantastischen Gastfamilie können wir am Wochenende sogar mit dem Auto die Nordinsel Neuseelands erkunden.
Was fĂŒr eine beeindruckende Natur.Warmer Dampf zieht durch die Landschaft.Der âChampagner Seeâ.Nicht zum Schwimmen! Das Wasser hat 100° C.
Endlich ist unser Leben ein Ponyhof.đ€ đ Anke baut fröhlich kleine SprĂŒnge fĂŒrs Pferdetraining, wĂ€hrend in den grĂŒnen HĂŒgeln Neuseelands die Pferde grasen. Denn unsere erste Farm hier ist das Pongarosa Equestrian Centre ⊠und Dana ist happy zwischen Pferden (6-8) und KĂŒhen (ganze 180!). Sie hat sogar schon beim Melken geholfen.đđ„
WĂ€hrend Anke fleiĂig baut,..… kuschelt Dana ein wenig mit Blacky.Na gut, ein paar neue SprĂŒnge baut sie auch auf.Los geht’s…… zum Melken.Endlich etwas anpflanzen.Eine Farm braucht natĂŒrlich einen Traktor.
Unsere neuen Gastgeber leben in einem 3-Generationen-Haushalt zusammen und kommen ursprĂŒnglich aus den Niederlanden. Wenn uns mal ein Wort im Englischen fehlt, hilft uns oft das NiederlĂ€ndische weiter.
Barbecue mit âOpaâ Leo.Die KĂ€lbchen vertrauen Enkelin Monique.FĂŒr die Pferdefans: Das ist Halo …… und das Pony Biscuit.Unsere neues Heim.
Obendrein bleibt neben der Arbeit reichlich Zeit fĂŒr kleine AusflĂŒge in die neuseelĂ€ndische Natur. Hier ein romantischer Wasserfall, da das blaue Meer und dort ein paar HĂŒgel mit Schafen wie bei den Hobbits ⊠Aber dazu in der nĂ€chsten Woche mehr.đïžđ„
Das ist nun also unser Sabbatical Teil 2. Der Plan: 4 Monate Australien und Neuseeland. Warum? Wir wollen noch etwas unser Englisch aufpeppen. Damit das gelingt, leben und wwoofen wir diesmal möglichst viel auf Familienfarmen und konsumieren englische BĂŒcher, Hörspiele, Podcasts sowie Filme. Los gingâs Mitte Oktober.
Angekommen in Tasmanien.Hobart: Unser erstes Ziel.
Wie bei unserer langen Weltreise mit dem Fahrrad blicken wir nach jedem Reiseabschnitt ausfĂŒhrlich zurĂŒck. Nun haben wir bereits vier Wochen auf Tasmanien verbracht und sind gerade nach Neuseeland geflogen. Es ist also an der Zeit fĂŒr die erste umfassende Retroperspektive:
Nicht schlecht. Diesmal flogen wir relativ entspannt los. Der Trick? Im Gegensatz zum letzten Mal, hatten wir uns kurz vor der Abreise nicht mit ganz so vielen Terminen vollgepackt, wie vor unserer groĂen Radreise. Und so standen wir zwar mĂŒde, aber guter Dinge pĂŒnktlich um 7:30 Uhr am BER â 2 Stunden vor Abflug.
FĂŒr den insgesamt 28-stĂŒndigen Flug hatten wir uns fĂŒr Scoot entschieden â eine Billigairline aus Singapur. Preislich unschlagbar. Aber, tja⊠alles andere als komfortabel. Da PlĂ€tze reservieren extra gekostet hĂ€tte, saĂen wir nicht zusammen und recht schnell mussten wir feststellen, dass wirklich gar kein Essen inklusive war, nicht einmal ein klitzekleiner Snack oder ein Glas Wasser und das bei 12 Stunden Nonstop von Berlin nach Singapur! Sprich, das Geld, das wir beim Buchen gespart hatten, mussten wir sehr schnell wieder fĂŒr Essen und Trinken ausgegeben. Und Achtung! Offiziell durfte kein eigenes Essen mitgebracht werden. Ist das ĂŒberhaupt legal? NatĂŒrlich waren wir die einzigen Dummen, die sich brav an die Regeln gehalten hatten. Anke war kurz davor, die beiden Jungs neben ihr K.O. zu schlagen, um sie von ihren prallgefĂŒllten VorratstĂŒten zu befreien, aus denen die beiden fröhlich den ganzen Flug vor sich hinmĂŒmmelten.
Nach dieser ersten Anstrengung folgte ein 7-stĂŒndiger Aufenthalt in Singapur, den wir ausgehungert wie wir waren, nutzten weiter wild Essen zu kaufen und uns anschlieĂend auf dem Boden zusammen kauerten, um nochmal 2 Stunden Schlaf zu bekommen. Nach ĂŒber einem Tag reines Reisen kamen wir völlig erschöpft in Melbourne an, wo wir eine Nacht in der NĂ€he des Flughafens in einem Bed & Breakfast ĂŒbernachteten, um am nĂ€chsten Tag gleich weiter nach Tasmanien zu fliegen. Was fĂŒr eine anstrengende und lange Anreise. Nie wieder Billig-Airline auf einem Langstreckenflug!Â
Und was sollen wir berichten? Wir hatten tatsĂ€chlich den schlimmsten Jetlag unseres Lebens. Beide wachten wir mehrere NĂ€chte regelmĂ€Ăig auf, um gegen 3 Uhr nachts putzmunter in unseren Betten zu liegen. Dazu kam, dass Anke mit völlig verkrampften Oberschenkeln vom Flug zu kĂ€mpfen hatte (die Sitze waren einfach zu winzig und hart), wĂ€hrend Dana durch einen BĂ€renhunger aus ihren TrĂ€umen gerissen wurde, weil ihr Magen nun eigentlich dringend Mittag wollte. 11 Stunden Zeitverschiebung sind ein ganz schöner Brocken.
1 Monat Tasmanien – Ein Einblick.
Ankommen in Tasmanien â Schockierende Geschichte
Teil 1 unseres Trips ist also Tasmanien. Aber wie ist es nun in Australiens bevölkerungsĂ€rmsten Bundesstaat? Bis Ende 1855 nannten die europĂ€ischen Siedler die Insel Van-Diemen’s-Land. Anthony van Diemen war ein niederlĂ€ndischer Kolonialgouverneur, dessen Seefahrer Abel Tasman, weil er die SĂŒdkĂŒste Australiens verfehlte, 1642 in Tasmanien landete.
Schockierend fĂŒr uns: Die barbarische Kolonialgeschichte. 1803 errichteten die Briten die erste dauerhafte Siedlung und bereits rund 40 Jahre spĂ€ter waren die ursprĂŒnglichen 5.000 Aboriginal – die Palawan – quasi vollstĂ€ndig ausgelöscht.Â
Ein weiteres dunkles Kapitel der Tasmanischen Geschichte: Zwischen 1804 und 1853 kamen rund 76.000 Strafgefangene nach Tasmanien, darunter viele Frauen und Kinder. Sie wurden zur Arbeit im Bau und Bergbau sowie auf Farmen und privaten Grundbesitz gezwungen.Â
Auf den Spuren der Gefangenen.
Von der dĂŒsteren Kolonialgeschichte ist bis heute kaum eine Aufarbeitung zu sehen. WĂ€hrend in Sydney oder Melbourne die Diskussion um Sichtbarkeit und Anerkennung der Geschichte und Kultur auch fĂŒr unbedarfte Touris kaum zu umgehen ist, laden in Tasmanien einzig die diversen GefĂ€ngnisse mit FĂŒhrungen und Gruseltouren ein.
Wir verbrachten anfangs nur zwei Tage in Tassies Hauptstadt Hobart und buchten sogleich eine Walbeobachtungstour. Und wie wir schon berichteten – hat es sich tatsĂ€chlich gelohnt. Was fĂŒr Klippen! Und natĂŒrlich Wahnsinn, wir haben Buckelwale gesehen⊠auch wenn wir dabei noch ganz schön vom Jetlag geplagt waren.
Die KĂŒste von Tasmanien.
Farmarbeit im Paradise?
Ganze drei Wochen wwooften wir im Anschluss auf einer Farm im Norden von Tasmanien. Die Arbeit umfasste alles, was auf einer Farm so anfĂ€llt: Holz hacken, das GrundstĂŒck von Ăsten und GebĂŒsch befreien, Rasen mĂ€hen, Unkraut zupfen, Hecken beschneiden âŠ
Auch NĂŒsse knacken gehört zur Arbeit.Ganz schön viel Beschnitt.
Gilles – unser Wwoof-Host – kam vor ca. 50 Jahren in Australien an. Als waschechter Franzose hört man noch immer sehr deutlich seinen Akzent. Seine Farm liegt idyllisch unweit der bekannten Cradle Mountains im Ărtchen Paradise. Neben einer Kuhweide, einer Blackwoodplantage und Platz fĂŒr HĂŒhner, hat er auch noch einen feinen GemĂŒsegarten im Programm. Alles was so eine kleine Hobbyfarm in Australien halt braucht.
Und wir hatten ein kleines Highlight: Eines Morgens fanden wir statt drei KĂŒhen vier auf der Weide vor, denn in der regnerischen Nacht ward ein kleines Kalb geboren. Wir waren natĂŒrlich ganz angetan von so viel frischgeborener Niedlichkeit. Doch Gilles – ganz Farmer – holte irgendwelche Zangen aus dem Schuppen, um dem kleinen Bullen, die kleinen BĂ€llchen sofort abzuklemmen (zum GlĂŒck ohne Geschneide und Blut) und einen Marker im Ohr zu verpassen. Etwas beklemmt folgten wir unserem Host, der sich ein Bein des Kleinen schnappte und als es wild zappelte, bat uns das Baby festzuhalten, damit er die âTestikalsâ erfĂŒhlen kann. Dana war mit ihrer Aufgabe gar nicht glĂŒcklich und flĂŒĂtere heimlich dem Kleinen Gesellen ein paar beruhigen Worte ins Ohr. So manche Aufgaben sind dann doch nichts fĂŒr uns.
Der Kleine hat alles gut ĂŒberstanden.
Als gelernter Zimmermann hat Gilles sein Haus einst nach sĂŒdfranzösischem Vorbild selbst gebaut. Das sieht von auĂen wunderschön pittoresk aus, aber ist im doch eher kĂŒhlen Klima Tasmaniens gar nicht so praktisch. Innen blieb es, trotz sich anbahnenden FrĂŒhlings, ganz schön finster und kĂŒhl. Heizung? Fehlanzeige. Leider gab es nur âromantischeâ Ăfen im Erdgeschoss. Auch zum Kochen schwörte der Hausherr auf einen alten KĂŒchenofen mit Holz. Das klingt zwar irgendwie gemĂŒtlich, ist aber bei der Essenszubereitung oft schwierig, da man zuerst eine Stunde vorheizen musste, um anschlieĂend mit sehr viel Geduld etwas zu braten oder langsam, langsam zu köcheln. Mikrowelle? SpĂŒlmaschine? Nope. Welcome to rural life.
Gilles ist erfahrener Zimmermann.Von AuĂen ist es so idyllisch.Das Essen dauert noch ein bisschen.Mittagspause.
DafĂŒr wurden uns hochmoderne Klobrillen geboten. Denn seine neue Frau ist Japanerin und hat scheinbar auf ihre Modelle bestanden. So hatten die Brillen viele ĂŒberraschende Features: Wasserpritzen und Föhnen, aber auch stets mollig warm geheizte SitzflĂ€chen. Anke fand das im kalten Haus gar nicht so schlecht. Vor allem waren die BĂ€der damit wĂ€rmer als die restlichen RĂ€ume – geheizt von der Klobrille. Nun gut âŠ
Unser Plan, unser Englisch aufzubessern, ist bisher leider noch nicht so aufgegangen wie erhofft. Unser französischer Farmer war allein auf der Farm, weil seine Frau gerade in Frankreich wwoofte, so dass wir ganz auf ihn angewiesen waren. Leider hörte er mit seinen 72 Jahren nicht mehr so gut, das machte die Kommunikation teilweise etwas schwierig.
Kleiner Ausflug mit dem Leihrad.
Dennoch lernen wir fleiĂig Aussi-Slang. Die Australer:innen lieben putzige AbkĂŒrzungen. So ist ein Zimmermann ein Chippy (von Wood-Chip â SĂ€gespĂ€ne) und ein Elektriker ein Sparky (von den sprĂŒhenden Funken). Ein Keks ist ein Bikky, ein Laptop heiĂt Lappy und die nĂ€chstgelegene Stadt Launceston wird liebevoll Launy genannt. Morgens aĂen wir brekky (FrĂŒhstĂŒck â nicht das Katzenfutter!) und nachmittags machten wir eine Smoko (Kaffeepause). Ansonsten schallt einem ĂŒberall das freundliche âGâday!â entgegen. SĂŒĂ die Aussies!
Die Nachbarn: Wandern in den Cradle Mountains
Um letztlich doch noch etwas von der Gegend zu sehen und mehr Englisch zu sprechen, zogen wir spontan zu den Nachbarn weiter. Was fĂŒr ein wahnsinniges GlĂŒck! Das nebenan lebende PĂ€rchen bot uns an, mit uns einen Ausflug zu den beeindruckenden Craddle Mountains zu machen. Und nicht nur das, wir verbrachten gleich drei fantastische Tage mit ihnen.
Die Cradle Mountains sind eines der Highlights auf Tasmanien und befinden sich in einem Nationalpark mit diversen Wanderrouten. Von 20 Minuten bis hin zu 6 Tages Wanderungen ist alles dabei. Wir stapften bei schönstem Sonnenschein 6 Stunden herum. Es war ein wunderschöner Tag mit toller Begleitung und abends fielen wir alle glĂŒcklich, aber erschöpft ins Bett.
Auf zu den Cradle Mountains.Unsere Nachbarn mit Kunstwerk von Andrew.
Die Tage mit Caroline und Andrew vergingen wie im Flug. Im gemĂŒtlichen Haus lasen wir und tranken lecker Tee. Caroline ist in BerlinâCharlottenburg geboren, wĂ€hrend Andrew KĂŒnstler durch und durch ist. Wir hatten also jede Menge GesprĂ€chsthemen. Um uns wenigstens ein wenig zu revanchieren, haben wir uns auch hier nochmal beim Holzschleppen und -hacken ausgetobt âŠ
Unser Dankeschön…… Feuerholz machen.
Eine neue IdentitÀt: Wir sind jetzt Backpacker!
Als Radreisende hatten wir uns sehr schnell wohlgefĂŒhlt. Vor allem Anke schaute immer sehr mitleidig die armen, armen Backpacker an, die vollgepackt mit mehreren RucksĂ€cken schwitzend zu einer entlegenen Bushaltestelle watschelten in der Hoffnung, dass eventuell ein Bus vorbeikommen möge und sie an ihr Ziel bringe. Wie viel schöner war es doch, sein eigenes Transportmittel dabei zu haben und unabhĂ€ngig an jeden Ort der Welt zu radeln.
Und nun sind wir selbst genau diese armen Backpacker. Wir sind noch dabei, uns in unsere neue Rolle einzugewöhnen. Wir fĂŒhlen uns etwas unflexibel, aber klar ist das auch eine bisschen verklĂ€rte Sicht. Denn in Australien radelt man ja mal nicht eben eine kurze Strecke, um zum nĂ€chsten Sightseeing-Punkt zu gelangen. Die Lösung vermuten wir jetzt im Trampen.
Weiter gehtâs â Abflug nach Neuseeland
Zum Abschluss unseres Tasmanien-Abenteuers verbrachten wir noch einmal ein paar Tage in Hobart und wagten uns trotz des etwas unsteten Wetters fĂŒr zwei NĂ€chte auf einen Campingplatz. Unsere kleinen SommerschlafsĂ€cke schĂŒtzten uns glĂŒcklicherweise auch bei 8°C Nachttemperatur. Denn wir haben diesmal unsere ultra komfortablen und warmen LangzeitreiseschlafsĂ€cke â wegen des Rucksacks â in kleinere, leichtere Modelle getauscht. Doch puh, Test bestanden.
Diesmal machten wir in der gemĂŒtlichen Stadt das MONA (Museum of Old and New Art) unsicher. Ein privates Museum fĂŒr moderne Kunst. David Walsh, gewann einst viel Geld beim Zocken im Casino und ist als erfolgreicher GeschĂ€ftsmann und Kunstsammler zurĂŒck in seine Heimatstadt gekehrt. Mit seinem Vermögen wurde er zum Museumsdirektor und eröffnete 2011 das MONA. Wir verbrachten viele Stunden in dem groĂen unkonventionellen, verschachtelten GebĂ€ude mit allerlei Installationen, GemĂ€lden, Werken und Mitmachkunst. Hier wohnte ein Harfenspielerin als Live-Performance, da blinkten ein paar Monitore hektisch und dort genossen wir im Dunkeln zarte klassische KlĂ€nge mit rauchigen Duftreizen.Â
GĂ€ste werden zum Kunstwerk: Reis zĂ€hlen, bitte.Die âFette Karreâ.VerrĂŒckt: Die Harfenspielerin lebt und schlĂ€ft im Museum.
Das war nun unser erster Teil. Was bleibt also? Wieder einmal haben wir festgestellt: Die körperliche Arbeit im Freien liegt uns. Es ist einfach schön abends erschöpft von der frischen Luft und der Anstrengung einzuschlafen. Gleichzeitig merken wir, dass sich in neuen Haushalten einzugewöhnen und immer wieder Dinge fĂŒr die Reise zu organisieren, doch ganz schön anstrengend ist. Und wir vermissen unsere RĂ€der!
Goodbye Australia!Hello New Zealand.
Erschöpft und ein wenig aufgeregt sind wir nun in Neuseeland angekommen.
Juhu! đ€ đ Endlich haben wir es zum Cradle Mountain geschafft. Der Berg einschlieĂlich des umgebenden Nationalparks ist eines der beeindruckendsten SehenswĂŒrdigkeiten in Tasmanien und gehört zum UNESCO-Welterbe.
Angekommen: Marions Lookout.
Unsere erste Wwoof-Arbeit ist damit beendet, denn wir zogen spontan fĂŒr ein paar Tage weiter zu unseren Farmnachbarn. Caroline und Andrew nahmen uns mit offenen Armen auf und zeigten uns in aller Ruhe das Naturschutzgebiet. Gemeinsam stapften wir auf 1.223 m Höhe zu Marions Lookout. Was fĂŒr ein Ausblick! đâïž
Gemeinsam stark mit Caroline und Andrew.Seht ihr auch den Drachen im Cradle Mountain?Ganz schön anstrengend der Aufstieg, …… aber Anke ist ja geĂŒbt im Wandern.Der Wombat Pool.
AuĂerdem genossen wir die entspannte Stimmung im liebevoll eingerichteten Holzhaus zwischen Drachen, Eulen und Einhörnern. Morgens und abends erfreute uns Caroline mit den lieblichen KlĂ€ngen der Harfe und tagsĂŒber bewunderten wir zahlreiche detaillierte Zeichnungen und GemĂ€lde von Andrew. Apropos Kunst: Im nĂ€chstgelegenen Ort Sheffield war gerade das berĂŒhmte âMural Festivalâ, bei dem 9 KĂŒnstler:innen eine Woche im Jahr Zeit haben, ein WandgemĂ€lde zu erschaffen – diesmal zum Thema âThe Spirit of Adventureâ.
Vielen Dank ihr beiden fĂŒr diese fantastische Zeit!
Ganz schön viel Arbeit fĂŒr eine Woche.Danas Lieblingsbild.Wo ist das Seepferdchen versteckt?And the Winner is: Kerry Nichalson (mit seinem Bruder Malcolm).
Hacken. SĂ€gen. JĂ€ten… đȘđȘđ± Wir haben letzte Woche noch mal ganz schön angepackt. Aber jetzt sind es nur noch ein paar Tage Farmerinnenleben, bevor wir wieder ein wenig reisen und dabei Tasmanien entdecken.đâ°ïžđŠ
Einmal Posen.Und so sieht es in Aktion aus.So viel Unkraut!Einmal HĂ€ckseln, bitte.So viel Beschnitt.Zum Abschluss: Eine leckere Pizza aus dem Holzofen.
DafĂŒr gab’s zwischendurch eine niedliche Ăberraschung: Ein kleines KĂ€lbchen wurde geboren und das stand schon nach einer Stunde auf den wackligen Beinen und bĂŒchste sogar gleich am ersten Tag von der Koppel aus. (Es ist einfach zu klein fĂŒr den Zaun).
So sĂŒĂ der Kleine.Yammi. Lecker.Jetzt gibt’s extra Futter!
Zum GlĂŒck machten wir noch einen kleinen Ausflug. Gemeinsam mit unserem Host Gilles fuhren wir nach Devonport zum âTasmanian Arboretumâ und bekamen dort neben sehr vielen seltenen BĂ€umen endlich Schnabeltiere zu sehen!Â
Der âMonkey Puzzle Treeâ aus Chile…… ist beeindruckend.Der klassische Eukalyptusbaum.Wer erklĂ€rt da eigentlich?Wow!
Diese auĂergewöhnlichen Wesen sind eierlegende SĂ€ugetiere. HeiĂt: Der Nachwuchs schlĂŒpft aus Eiern und schlabbert dann die Milch vom Bauch der Mutter, wo diese sie hintröpfelt. đ€âïž AuĂerdem hat der Platypus (wie er im Englischen heiĂt) einen elektro-magnetischen Schnabel, Dank dem er mit geschlossenen Augen Nahrung jagen kann. đ€Ż Wahnsinn. Evolution.