#103: Rückblick: Au Revoir Südfrankreich

Der Frühling in Berlin hat uns wieder: Denn unsere kleine Winterauszeit ist zu Ende! Drei Monate WWOOF in Südfrankreich, war eine intensive Erfahrung! Wir erhielten tiefe Einblicke in den ökologischen Gemüseanbau und lernten interessante Leute kennen.

Auf unserem ersten Hof in Alès beliefert Vincent die „Biocoop“–  eine französische Öko-Supermarktkette. Mit gerade mal zwei Tunneln und ein paar sehr überschaubaren Ackerflächen, baute er äußerst effektiv vielfältiges Gemüse an und das ohne chemische Hilfe oder Angestellte. Das war wirklich Bio-Gemüse aus der Region!

Weiter ging es für uns mit den Rädern zu einem ganz anderen Projekt. Val und Jess entschieden sich einst, aus dem gängigen Berufsalltag auszusteigen und mit Selbstversorgung und Pferden auf dem Land zu leben. Heimisch wurden sie in einem gemütlichen Häuschen zwischen Toulouse und Pau. Dort bauen sie unterschiedlichstes Gemüse für den Eigenbedarf an und entwickeln eine eigene Kooperative, um ihre Produkte gemeinsam mit anderen Produzent:innen oder Landwirt:innen aus der Region zu verkaufen.

Was uns am meisten überraschte: Beide Hosts hatten Flächen, die nicht unmittelbar am Haus lagen und wie viel man auf einem kleinen Grundstück anbauen kann. Vielen Dank an Vincent, Cécile, Val und Jess , ihr wart wirklich herzliche Gastgeber!


Allerdings müssen wir auch zugeben, dass wir tatsächlich ein irritierendes Erlebnis zum Abschluss hatten: Für Danas letzte Woche im Land wollten wir für eine Woche auf einem Pferdehof unweit von Lyon. Die Rezensionen klangen überschwänglich: „Ich habe eine wundervolle Zeit mit B., ihrer Familie und ihren Tieren verbracht. Der Empfang ist herzlich und die Atmosphäre gemütlich.“ Für uns galt das leider so gar nicht.

Als wir mit den Rädern den Berg hoch strampelten, stellte sich unsere Gastgeberin zur Begrüßung nicht vor, so dass wir erst dachten, sie sei eine nicht informierte Mitarbeiterin und nicht die Person, mit der wir seit Wochen schrieben. Die erste Frage lautete gleich: „Seid ihr Freunde oder Schwestern?“ Verwundert konterten wir, dass wir ein Paar sind, was wir bereits in unserer Anfrage schrieben, nur hatten wir nicht noch mal explizit betont, dass wir beide Frauen sind.

Und so durften wir wegen „familiären Problemen“ spontan nur zwei Tage bleiben und selbst die waren stark verwirrend: Zunächst wies sie uns spontan zwei Einzelbetten zu, statt dem bereits vorbereiteten Doppelbett. Dana saß zum ersten Mal an einem Tisch, wo gebetet wurde und der Hausherr hatte klare Vorstellungen, wie jede Kleinigkeit erledigt werden musste. Insgesamt fühlten wir uns wie schwer erziehbare Jugendliche, denen man klare Anweisungen gibt und jeden Handgriff en détail erklärt, anstatt einfach freundlich zu fragen. Das Gelände, die Tiere und die Unterkunft waren traumhaft, aber unsere Gastgeberin redete außer Arbeitsanweisungen kaum mit uns und ihr Mann versuchte sich zwar in lockerer Konversation, war aber ein wirklich anstrengender Patriarch, der sich gern bedienen ließ.

Anke flüchtete schließlich wieder zurück zu Vincent und Cécile, die sie erneut mit offenen Armen empfingen und Dana fuhr etwas früher als geplant zurück nach Berlin. Aber vorher gönnten wir uns ein  letztes romantisches Wochenende an der Rhône.

Rückblickend stellen wir fest, dass diese kleine Winterauszeit auf ökologischen Höfen uns wirklich viel Einblick in die französische Landwirtschaft und Kultur gegeben hat. Und obwohl es der regenreichste Winter in den letzten Jahrzehnten war, konnten wir doch den eisigen Phasen in Berlin entgehen. Südfrankreich ist sogar im Januar bedeutend grüner, heller und wärmer als Deutschland, trotz des außergewöhnlich hohen Niederschlags. Unser Ziel, unsere Französischkenntnisse aufzupeppen, hat auf jeden Fall funktioniert, Familienalltag sei Dank. Aber sich an den täglichen Rhythmus unserer Hosts anzupassen, fiel uns nicht immer leicht.

Erkenntnis am Ende: Bäuerinnen werden wir wohl nicht mehr, aber regelmäßige Landluft, Bewegung und Natur tun uns gut. Frankreich bleibt ein Sehnsuchtsort, der uns sicherlich auch in Zukunft immer mal wieder begegnet. Und für die nächste Zeit heißt es erstmal: Die bekannten Strukturen zu Hause genießen und dabei die Tage nach unseren Vorstellungen planen.

Budget: Übrigens, wenn ihr euch fragt: „Wie leisten die sich das immer?“ Die Antwort ist: Low Budget. Auch diesmal haben wir zusammen 1.000 Euro pro Monat Reisebudget veranschlagt. Da wir unterwegs immer akribisch unsere Kosten erfassen, können wir feststellen: Das hat recht gut funktioniert. Auf den Höfen weitab der Zivilisation ist es schwer, Geld auszugeben. Allerdings haben wir die Reisekosten für Bus und Bahn etwas unterschätzt. Obendrauf kommen noch individuelle Fixkosten, wie Telefon, Krankenversicherung oder Vereine.

Dana hat gemeinsam mit Steff Urgast ein Essayband im Querverlag veröffentlicht: „Feministisch im Job? Wir arbeiten dran“ ist im üblichen Buchhandel erhältlich. Derzeit gibt es einige Lesungen in Berlin und andere Orte sind noch in der Planung. Und es gibt schon das erste Interview dazu.

#102: Frankreich: Frühjahrsputz am Rande der Pyrenäen

Wir sind auf unserem nächsten WWOOF-Hof: Val und Jess haben sich mit einem fantastischen Blick auf die Pyrenäen einen kleinen ökologischen Gemüsehof aufgebaut. Zum Vertrieb gibt es diesmal nicht die große Biokette, sondern ein lokales Biokistensystem mit rund 10 anderen Produzierenden. So ernten wir jeden Mittwoch Mangold, Wirsing, Salate und Radieschen, je nach Bestellung. 

Obendrauf schenken uns die fünf sympathischen Hühner jeden Tag frische Eier und zum Vergnügen gibt’s eine verschmuste Katze, 4 flauschige Schafe und 7 freundliche Pferde. Dana konnte auch schon bei Sonnenschein mit fantastischer Sicht auf die Berge ausreiten und beim Training des Nachwuchs helfen. 

So weit im Süden Frankreichs (kurz vor der Grenze zu Spanien) steht langsam der landwirtschaftliche Frühjahrsputz an. Das heißt: Anbauflächen sowie Koppeln müssen wieder fit gemacht und winterliche Schäden beseitigt werden. Und ganz wichtig: Das vom Sturm angeschlagene Gewächshaus bedarf einiger Reparaturen. Neben der neuen Folie sind erstaunlich viele Schrauben und Halterungen festzuzurren. 

Und so handwerken wir recht viel, während gleichzeitig Anbau und Ernte nicht zu kurz kommen.  Erbsen, Zucchini, Zwiebeln, Dill, Basilikum und sogar ein paar Bäume sind schon gepflanzt. Das Frühjahr kann also kommen. 

P.S.: Übrigens hat Dana die Zeit genutzt, um gemeinsam mit Steff Urgast ihr erstes Buch zu schreiben. „Feministisch im Job? Wir arbeiten dran“ erscheint Mitte März im Querverlag. Der Essay-Band beschäftigt sich mit der Frage: Warum fühlt sich Arbeit in feministischen Kontexten manchmal genauso an wie anderswo – überfordernd, ungerecht, unsichtbar? Und was können wir dagegen tun? Gerade hat sie dazu das erste Interview gegeben.

#101 Frankreich: Radeln bei Wind und Wetter

Nicht immer scheint die Sonne. Durch Südfrankreich zog die letzten Tage ein heftiges Unwetter, das 900.000 Haushalte ohne Strom hinterließ. Sturm Nils fegte mit bis zu 160km/h übers Land und sorgte für heftige Verwüstungen, entwurzelte Bäume, umgekippte Strommasten, versperrte Straßen und Schienen.  Und das genau in der Zeit, als wir von unserer letzten Farm bei Alès zur nächsten radeln wollten. Außerdem schickte unser längst eingeplanter Pferdehof eine Woche vor der Anreise eine Absage wegen eines familiären Schicksalsschlages. 

Also hieß es: Neue Pläne, fertig, los. In letzter Sekunde fanden wir einen netten Hof nicht weit von Toulouse. Nun blieb uns eine ganze Woche zum Radeln, statt des ursprünglich geplanten Wochenendes. Motiviert stiegen wir in Béziers bei Sonnenschein auf die Räder und entdeckten den 240 km langen „Canal du Midi“, der 1666 unter Ludwig XIV angefangen wurde zu bauen.

Der Kanal führte uns zunächst nach Carcassonne, dass tatsächlich genauso aussieht wie Ankes Lieblingsspiel. Was für eine beeindruckende Festungsanlage! Da mussten wir gleich ein bisschen im Strategiespiel versinken bevor die Regentage kamen.

In Toulouse landeten wir anschließend völlig durchnässt bei einem fantastischen Warmshowers; ein kooperatives Wohnprojekt mit gleich drei „Chambre d’amies“. So konnten wir spontan eine Nacht länger bleiben und beim Cyclist Film Festival anderen Radelnden bei ihren Anstrengungen bequem aus dem Kinosessel zuschauen, während der Sturm über die Stadt fegte. 

Auch die letzten zwei Tage unserer Tour waren eine klimabedingte Herausforderung. So sammelte uns für die letzten 20 km bergauf eine sehr nette Französin mitten auf der einsamen Landstraße mit ihrem kleinen Auto ein. Merci beaucoup!

Strecke: 304 km
Höhenmeter: 1.550 m
Radeltage: 6 (davon im Regen: 3)
Verspeiste Chocolatines: 10 

Hier geht es zu unserer Komoot-Route.

#100 Frankreich: Wheels Meet Fields

Höchste Zeit für eine neue Tour! Wir starten 2026 mit einem 3-monatigen Abenteuer in Frankreich. Unser neues Motto: „Wheels Meet Fields“. Und so haben wir für die kommenden drei Monate wieder unsere Räder im Gepäck, um diesmal den Fokus auf ökologische Landwirtschaft zu legen. Unser Ausgangspunkt: Nîmes. Von dort sind wir eine Tagestour bis zu unserer ersten WWOOF-Farm geradelt. Und das bei schönstem Sonnenschein – mitten im Januar! 

Da Anke schon lange von ihrem eigenen Gemüsegarten träumt und sich für Permakultur interessiert, haben wir uns für die ersten Wochen für einen biologischen Familienbetrieb entschieden, der frisches Gemüse selbst im Winter anbaut. Vincent, Cecile und ihre beiden Kinder haben uns mit offenen Armen empfangen. 

Unsere Idee für den tristen Winter: Wir verbringen die nächsten Monate im Süden von Frankreich und peppen dabei unsere Französisch-Kenntnisse auf, während wir jede Menge über nachhaltige Landwirtschaft lernen. Denn Dank WWOOF können wir bei Kleinbauer:innen für Kost und Logie leben und arbeiten. Das schont unser Portemonnaie und obendrauf lernen wir eine Menge über die richtige Planung der Anbauflächen, Rotation der Fruchtfolgen und die einzelnen Ernteschritte, damit das Gemüse frisch im Bioladen landet.

P.S.: Neugierig auf mehr WWOOFing? Schon auf unserer Weltreise haben wir Pausen auf Höfen in Griechenland, der Türkei und Australien eingelegt. 

# 99 Rückblick: Western Australia – Reiten, Reisen und Rückkehren

Wir sind zurück in Berlin. Damit geht dieser Blog seinem Ende entgegen. Doch zuvor noch der obligatorische Rückblick zu unserem letzten Reiseabschnitt: Australien. Nach Tasmanien und Neuseeland, stand als letztes Reiseziel Western Australia (WA) auf unserer Bucket List. Der Plan: Einen guten Monat Wwoofen und Reisen. Am Ende wurden es dann doch zwei Monate für Anke und ganze drei für Dana.

Für WA haben wir uns entschieden, weil Anke schon seit Ewigkeiten von einem Permakulturkurs träumte und einen vielversprechenden in WA fand. So mussten wir uns relativ schnell nach der Landung in Perth – der größten Stadt des Bundesstaates – trennen. Anke fuhr mit dem Bus gen Süden nach Margaret River,  während Dana Richtung Osten ins Landesinnere fuhr, zu einer privaten Pferdefarm.

Rückblick in bewegten Bildern: Teil I

Anke im Permakultur-Glück

Um so richtig in die Geheimnisse der Permakultur eingeführt zu werden, hieß es für Anke 2 Wochen zusammen mit 25 anderen interessierten Personen auf einer Farm zu leben und tagsüber verschiedenste Lehreinheiten zu absolvieren. Dazu gehörte Theorie, praktische Designübungen, ein bisschen Gärtnern und sich verschiedenste andere Gärten anzuschauen, die nach permakulturellen Prinzipien aufgebaut sind.

Das Konzept der Permakultur wurde tatsächlich von zwei Australiern – Bill Mollison und David Holmgren – entwickelt. Die große Idee dahinter ist eine Landwirtschaft, die ein funktionierendes Ökosystem imitiert und somit die Bodenfruchtbarkeit schont und aufbaut, kaum Abfall erzeugt und damit die Artenvielfalt erhöht. Eine möglichst natürliche Kreislaufwirtschaft also – ganz wie in der Natur – in der dem Boden nicht nur Erträge entnommen werden, sondern immer wieder mittels natürlicher Ressourcen Energie zurückgegeben wird. Besonders beliebt unter den Permis: die Komposttoilette, die einerseits kein nützliches Trinkwasser verschwendet und andererseits aus den Hinterlassenschaften frische, nährreiche Erde produziert… also nach einer gewissen Ruhezeit. 

Die 14 Tage bei Fair Harvest waren unglaublich intensiv und wahnsinnig schön für Anke. Sie lernte so viele tolle, interessante und nette Leute kennen. Wer nun also Fragen zu Wurmkisten, Komposttoiletten oder Hochbeeten hat, wendet sich gerne an sie. Sie tauscht sich mit großer Begeisterung über Gartendesign und Gemüseanbau aus. Vorerst bleibt ihr an praktischer Betätigung nur Danas kleiner Balkonkasten in Berlin.

Rückblick in bewegten Bildern: Teil II

Dana als Pferdetrainerin in Australien

Während Anke ihr Öko-Hippi-Leben auskostete, kam Dana auf ihrer Pferdefarm an und endlich wurden ihr lang ersehnter Pferdemädchentraum wahr. 50 Pferde warteten darauf, gefüttert, gestriegelt, geritten und trainiert zu werden. Auch die Host – Dianne und Jim – erfüllten sich vor ein paar Jahren einen Traum: die eigene Pferdezucht. Allerdings nur als Hobby nebenbei und so ist Jim weiter mit seinen riesigen Trucks im Outback unterwegs, während sich Dianne um all die Pferde, etwas über 100 Hektar Grundstück, Haus und Hof kümmern muss. 

Dana stürzte sich mit solch einer Begeisterung und Motivation auf die Pferde, dass die wwoof-Familie sie gar nicht mehr gehen lassen wollte. Bereits nach einer Woche wurde verhandelt, ob Dana nicht etwas länger bleiben wolle und gemeinsam mit Bethanie (einer Trainerin) Jungpferde einreitet. Und so kam es, dass Dana mit Cowboyhut und -stiefeln, ganze drei Monate Pferdetrainerin in Western Australia wurde. Welch eine abenteuerliche Wendung.

Gemeinsam wwoofen: 40° Grad und heißer 

Nach Ankes Aufenthalt auf der Permakultur-Farm reiste sie zu Dana und den Pferden. Die Umstellung vom grünen am Meer gelegenen Margeret River ins trockene und heiße Inland war doch ein etwas größerer Schock. Auch auf einmal von der Öko-Weltretterbubble wieder zurück ins „echte“ Leben geworfen zu werden, war nicht einfach. Tapfer stürzte sich Anke dennoch auf Aufgaben mit den tierischen Vierbeinern: Füttern und Ställe säubern. Ansonsten wartete ein größeres Zaunbauprojekt auf sie. Mit einer speziellen „Post Hole Shovel“ (oder auf Deutsch: Erdlochausheber) stürzte sich Anke motiviert auf die Arbeit. Und das war wirklich nicht besonders spaßig! Denn häufig hieß das, bei über 40°C auf den schattenfreien Paddocks zu stehen, Löcher in den trockenen und festen Boden zu buddeln und mit Maschendraht zu spielen. Aber im Nachhinein war sie dann doch sehr stolz auf ihr Ergebnis. Dennoch, ganz so lange wie Dana wollte Anke nun nicht auf einem Pferdehof verbringen. Sie ist eben eher ein Gartenkind, als ein Pferdemädchen. Also zogen wir nach drei Wochen gemeinsamer Farmarbeit erstmal in den Urlaub.

Mit dem Campervan nach Esperance

Eines steht fest: Australien ist das Land der Campervans und Wohnmobile. Die meisten Orte haben einen „dumping point“ für die Chemietoilletten, Möglichkeiten den Wassertank aufzufüllen und regelmäßig warten kostenlose Stellplätze oder kostengünstige Campingplätze. Da es nur einen sehr schlechten öffentlichen Nahverkehr in Australien gibt und wir unsere geliebten Fahrräder nicht dabei hatten, entschlossen wir uns, endlich auch mal das Camperleben auszutesten.

Bis auf die anfänglich etwas intensivere Putzaktion, um den geliehenen Wagen in einen angenehmeren Zustand zu bringen, war unser rollendes Zuhause soweit ok. Wir hatten eine Liegefläche, einen Gasherd mit zwei Platten sowie ein kleines Waschbecken und einen Kühlschrank.

Und so fuhren wir durch Australiens Weiten. Roter Sand und erschreckend oft verbrannter Wald säumten unseren Weg. Aber auch diverse Nationalparks und alte Riesenbäumen (das Valley of the Giants).

Unser Ziel: Esperance an der Südküste von WA. Wir hielten so oft es ging am Meer (in dem Dana freudig schnorchelte), erkundeten die Baumriesen 100 km vor Albany, besuchten Ankes neue Permifriends und, und, und…

Unser Fazit: Eine Reise mit einem Wohnmobil ist natürlich sehr komfortabel und man kann so viel mehr entdecken als mit dem Fahrrad. Aber die Fahrerei zieht sich dann doch. Da waren wir beim Planen wohl etwas überambitioniert. 2.000 km in einer Woche sind doch etwas viel. Gerade Anke fand die viele Zeit im Auto etwas zäh. Aber natürlich ist es toll, abends nicht immer das Zelt aufbauen zu müssen und sogar einfach ein kühles Bierchen aus dem Kühlschrank zu holen. Und wie eingangs schon erwähnt, bietet Australien die perfekte Infrastruktur für einen entspannten Roadtrip.

Getrennte Wege: Anke und ihre Permi-Friends

Nach dem gemeinsamen Urlaub kehrte Dana zurück zu Dianne und Jim, um weiter junge Pferde zu reiten und zu arbeiten, während  Anke sich abseilte.

Ursprünglich wollte sie ihre frisch erlernten Kenntnisse noch einmal vertiefen und auf einem Permakulturhof wwoofen. Leider fand sich aber auf die Schnelle keine Gelegenheit. Also musste Plan B her: Den fantastischen Menschen, die sie in dem Kurs kennengelernt hatte, einen Besuch abstatten. Und ganz ehrlich, ein bisschen ausruhen war gar nicht so schlecht. Bei allen drei Stationen genoss sie ihre Zeit sehr. Mit Cass ging es auf den Markt und mit ihrem neuen Fahrrad durch Bunbury, mit Leola konnte Anke Ukulele üben und Andrews alte Punkband-Videos gucken. Bei Selinas spielte sie mit den Kindern im Pool. Der Austausch über Permakultur und die ein oder andere Unterstützung im Garten waren ein Plus. 

Dana war währenddessen fleißig, bei 50 Pferden gibt es jede Menge zu tun. Ob Möhrenyoga, Ausritte im Eukalyptenwald oder Heu mit dem Farmquad verteilen, die Aufgaben sind vielfältig. Nicht ganz so erbaulich: Der Moment, als sie mal wieder alleine ausritt und Johnny  – ihr Lieblingspferd – vor dem Sprung im Wald scheute. Noch während Dana probierte, wieder gerade im Sattel zu sitzen, rannte er zu nah an einem Baum vorbei… Knall. Dana wurde vom Pferderücken geschleudert… Doofe Bäume.  Das MRT im Krankenhaus zeigte die traurige Wahrheit: eine gebrochene Rippe. 6 Wochen Schonzeit! Ein Alptraum. Und das, wo doch der Herbst anstand und es langsam wieder kühler werden sollte. Deprimiert verweilte Dana unter starken Schmerzmitteln auf der Couch mit Kater George. Viel Bewegung ging erstmal nicht. 

Die berühmte Quokka-Insel: Rottnest Island

Unsere letzten gemeinsamen Tage in Australien, wollten wir trotz Danas Verletzung zusammen verbringen. Keine 20 km von Perth entfernt liegt Rottnest Island. Diese kleine Trauminsel ist bekannt für ihre super niedlichen Quokkas. Die Namensgeber für das kleine Paradies sind, weil man sie ursprünglich für große Ratten hielt. In Wahrheit handelt es sich um kleine Kängurus mit einem unglaublichen Drolligkeitsfaktor, die ausschließlich an der Küste um Perth zu finden sind. Da sie nicht besonders scheu, überall auf der Insel rumhüpfen und gerne freudig in Kameras grinsen, werden sie seit ein paar Jahren als Instagramhype gefeiert.

Wir hatten uns bereits im Vorfeld einen Campingplatz direkt am Meer gebucht. Dana reiste mit ihrer sehr frisch gebrochenen Rippe an (eine Woche nach dem Sturz). Anke schleppte tapfer Danas und ihr eigenes Gepäck sowie ein neu erworbenes Luftbett, damit Dana trotz Verletzung Zelten überhaupt aushielt. Irgendwie nicht so ideal für den romantischen Abschied. Stöhnend und mit viel Hilfe schaffte es Dana immer wieder ins und aus dem Zelt.

Tagsüber erkundeten wir die kleine Insel mit traumhaften Stränden und klarem Meer zum Schnorcheln. Im Wasser schweben war quasi Physiotherapie für Dana. Und natürlich posten auch wir mit den possierlichen Quokkas. Die fanden es besonders interessant, nachts in unserem Vorzelt rumzuschnüffeln und alles anzuknabbern, was eventuell essbar sein könnte. Ob Pfefferminzteebeutel oder Erdnüsse, nichts war sicher. Anke wachte mehrmals auf, weil ein Quokka sie auf der Suche nach Leckereien durch die Zeltwand  anstupste. Da die Tiere so gar keine Angst vor Menschen haben, half zurückschubsen leider nicht. So waren wir im Halbschlaf damit beschäftigt zu klatschen oder anders Lärm zu machen, um die süßen Racker zu vertreiben.

Goodbye Anke  – Dana allein in Australien

Zurück auf dem Festland, hieß es Abschied nehmen. Gar nicht so einfach nach all der gemeinsamen Zeit. Auf Anke warteten Freunde in der Schweiz und ihre Ma in der Nähe von Frankfurt am Main. Auf Dana wartete Johnny, Starlight, Sunny, Niky …

Zum Glück heilte die Rippe nach dieser Erholung langsam. Und so traute sich Dana bald wieder die Pferde zu füttern, zu putzen und überall ein bisschen mit anzupacken. Dianne versorgte sie weiter liebevoll mit reichlich Essen und brachte viel Geduld auf, wenn ihre Puste schnell ausging. Und zwischendurch ging es sogar mit einem Truck ins Outback, zum Felder kalken. Da konnte sie freudestrahlend mit dem LKW durch die rote Landschaft cruisen. 

Und nach ein paar Wochen Pause hielt Dana es einfach nicht mehr aus. Ihre Musterschülerin Starlight (frisch eingeritten) wurde für den ersten vorsichtigen Ritt ausgewählt. Ein wenig Schritt, etwas Trab… nur in der Reitbahn bleiben. Hat Starlight auch nichts verlernt nach 3 Wochen Pause? Nein, alles bestens. Was für ein schönes Gefühl, endlich wieder auf dem Pferd. Und der Arzt im Krankenhaus meinte ja: „Das Reiten ist nicht das Problem, nur das Herunterfallen führt zu Schwierigkeiten.“ Also tastete sich Dana Stück für Stück heran. Und zum Schluss ging es wieder mit dem jungen Araber Johnny ins Gelände, der hat sie nämlich ganz bestimmt schon vermisst. 

Übrigens schwang Dana zwischendurch heimlich den Trennschleifer, um einen großen Postkasten zu bauen, damit die vielen Päckchen und Pakete nicht immer unter dem Baum abgelegt werden müssen. Genau das richtige Abschiedsgeschenk für einen wirklich einmaligen Aufenthalt. Vielen Dank Dianne und Jim für diese Gelegenheit und all die Leckereien.

Backpacking vs. Radreise – Was haben wir gelernt?

  • Beim Reisen mit dem großen Rucksack vermissten wir die Flexibilität unserer Räder sehr. Allerdings sind Neuseeland und Australien auch besonders schlecht mit Öffis zu bereisen. Ohne eigenes Auto ist man aufgeschmissen und gerade in Australien sind die riesigen Distanzen kaum mit Zügen zu bewältigen.
  • Wir sind beide begeisterte Wwooferinnen. Es ist einfach eine großartige Möglichkeit, mit Menschen in ihrem Land zusammenzuleben und uns macht die Arbeit auf einem bäuerlichen Hof Spaß. Aber wir mussten  auch feststellen, dass es nicht immer einfach ist, die perfekten Orte zu finden. Es kann manchmal etwas herausfordernd sein, so intensiv im Hof- und Familienleben mittendrin zu stecken. Vor allem bleibt nicht viel Raum für Selbstbestimmung, der Alltag wird an den Familienrhythmus angepasst. Sich darauf einzulassen, muss man können.
  • Pärchengedöns: Wir haben gelernt, dass manchmal eine kurze Trennung super sein kann. Während Anke ihren Permakultur-Traum verwirklichte, wurde Dana kurzerhand zur Pferdebutch. So konnten wir beide unseren individuellen Interessen nachgehen und hatten uns danach eine Menge zu erzählen. Das machen wir bestimmt wieder!
  • Und Anke liebt einfach Kurse! Das bringt Austausch mit neuen Menschen und obendrein lernt man etwas. Gerade auf langen Reisen ist ein Kurs eine interessante Abwechslung und führt eventuell zu neuen Perspektiven. 
  • Thema Pferde (bzw. Reiten): Das ist  gar nicht so einfach. Reiten und der Umgang mit Pferden birgt natürlich ein gewisses Risiko (wie Dana auch bewiesen hat). Nicht alle Pferdebesitzer:innen lassen einen bedenkenlos auf ihre geliebten Schätze. So waren wir in Neuseeland auf drei Höfen, die Pferde hatten und Dana konnte nur sehr wenig reiten, obwohl sie eine versierte Reiterin ist. Dass Dianne und Jim in WA so begeistert ihre Pferde teilten, war Glück für alle Seiten. Da hilft nur eine klare Absprache im Vorfeld.
  • Last, but not least: Englisch. Eigentlich sind wir nochmal los, um unsere Englischkenntnisse zu vertiefen. Und ja, das hat gut funktioniert. Wwoofen oder in Familien leben eignet sich hervorragend. Ständig ist man gezwungen, nach alltäglichen Dingen zu fragen oder sich auszutauschen. Wir können Wwoofen zum Sprachaustausch auf jeden Fall empfehlen, am besten in Haushalten mit möglichst vielen Beteiligten. Dana kann jedenfalls nicht nur Pferdevokabeln sondern auch ein bisschen Aussi-Slang.

Und zum Schluss noch der fantastische Sternenhimmel in WA:

#98 Western Australia: Abschiedsurlaub auf Rottnest Island

Was für niedliche Gesellen! Wir hatten ein paar letzte gemeinsame Tage auf Rottnest Island. Das  autofreie Paradies, ist bekannt für seine wahnsinnig niedlichen Quokkas.🦘 Die kleinen Verwandten des Kängurus sind so kontaktfreudig und instagrammable, dass sie den Tourismus auf der Insel vor Perth angekurbelt haben. Uns klauten sie nachts heimlich Teebeutel aus dem Vorzelt, die Frechdachse.😲

Und Dana konnte, trotz gebrochener Rippe, vorsichtig im blauen Meer schnorcheln. Ja, ihr habt richtig gelesen! Das Leben auf der Pferdefarm hat so seine Gefahren. Und so ist sie doch tatsächlich beim Ritt durch den Eukalyptus-Wald vom Pferd gefallen und hat sich dabei eine Rippe gebrochen.🙈 Jetzt ist also erstmal Schongang angesagt, bevor es wieder aufs Pferd geht…

Und für Anke hieß es nach Rottnest: Goodbye Australia! Sie ist bereits zurückgeflogen, während Dana noch einen Monat auf ihrer Pferdefarm verweilt🐎 (da kommen sicher bald noch ein paar süße Pferdefotos 🤩), bevor wir uns in Berlin wiedersehen.😍

#97 Western Australia: Mit dem Campervan zum Strand

Roadtrip! 🚐🏞️  Zeit für eine kleine Pause von unserer Pferdefarm. Wir haben uns einen Campervan geschnappt und sind an der Küste von Perth nach Esperance gedüst.

Was für eine angenehme Art zu reisen. Nach 16 Monaten Zelt ⛺ und Rad 🚴‍♂️ ist so ein Camper erstaunlich easy für uns. Abends einfach parken, Gaskocher an und frisches Essen aus dem kleinen Kühlschrank geholt… und das Bett ist auch schon fertig. Was für ein Luxus!🤩

Über 2.500 km haben wir in einer Woche zurückgelegt. Allerdings waren die ca. 300-400 km täglich doch etwas ambitioniert. Aber dafür konnten wir ein paar atemberaubende Strände genießen und schlenderten über einen Baumwipfelpfad durch alte Riesenbäume.

#96 Western Australia: Gemeinsam stark

Wir sind wieder zusammen unterwegs.😍 Juhu. Nach 2 Wochen getrennten Abenteuern haben wir uns eine Menge zu erzählen. Anke kam letzte Woche auch auf der Pferdefarm an und packte gleich mutig mit an, obwohl sie eigentlich eher der Pflanzentyp ist.🧑‍🌾 Und sogar den Familienausritt hat sie sich nicht entgehen lassen.

Übrigens haben wir aufregende News! Wir bleiben beide länger als geplant in Australien. Dana hat in den letzten Wochen einige Pferde so vorbildlich trainiert, dass sie nun nicht mehr abkömmlich ist. 🤯 Und jetzt bleibt sie ganze zwei Monate länger hier als „professionelle“ Horse-Butch, 🤠 während Anke Mitte März ihren Rucksack packen wird.

Aber keine Angst, wir werden jetzt nicht wochenlang (sehr niedliche) Pferdebilder posten. Stattdessen gibt es einfach etwas unregelmäßiger Updates von uns.

#95 Western Australia: Anke im Ökoparadies

Wo ist eigentlich Anke? Nachdem es im letzten Post hauptsächlich um Pferde ging, haben sich hoffentlich viele von Euch gefragt: Was macht Anke in diesem Permakultur Design Kurs? 

Ganze zwei Wochen habe ich mit 25 anderen „Permies“ aus allen Ecken der Welt jede Menge über Komposttoiletten, Kräuterspiralen und Wassermanagement gelernt… gut, das ist eine unglaublich runtergebrochene Beschreibung von 14 Tagen hardcore Input. 🤯

Neben viel Theorie schauten wir uns verschiedenste Gärten, Häuser und Foodforests (Waldgärten) an. Wir werkelten im Garten, bauten Beete und Kompost und zum Abschluss planten und designten wir sogar ein ganzes Permakulturgelände. Uns rauchten die Köpfe: Sektoranalysen, Abwassersysteme und Geländezonierung – alles muss bedacht werden.📝🌱🌳

Und hey, Spaß und gutes Essen war natürlich auch Teil meines Abenteuers. Was für ein unglaublich intensiver Kurs. Wow! Vielen Dank Fair Harvest für diese intensive 2 Wochen!

#94 Western Australia: Dana allein unter Pferden

Howdy Western Australia!🤠 Ich (Dana) bin jetzt auf einer riesigen Ranch. 🐎 50 Pferde gilt es täglich (auf fast 200 ha Land) zu versorgen. Das Allerbeste: Einige davon brauchen regelmäßiges Training. So kann ich endlich jeden Tag (mehrmals) reiten und helfe damit meiner Wwoof-Familie. Jihaaa.🏇

Dafür stehe ich gerne um 5:30 Uhr auf und unterstützte als erstes die Pferdetrainerin beim Einreiten der jungen Pferde. Denn schon ab 10 Uhr wird es langsam heiß. Da hilft nur früh aufstehen und alles bis mittags erledigen, bevor es 40°C wird. Und ich durfte sogar schon einen gigantischen Truck (mit 18 Gängen!) fahren … so für das richtige Australien-Feeling.

Doch wo ist eigentlich Anke? Sie geht derweil ihrem persönlichen Traum nach und absolviert einen Permakultur-Kurs in der Nähe von Margaret River. Aber dazu dann nächste Woche mehr … Diesmal gibt es extra viele Pferdefotos. 😍