#93 Rückblick: Neuseeland entdecken trotz Farmarbeit

Neuseeland konnte kommen! Wir waren bereit, ein neues Land für uns zu entdecken. Von Hobart in Tasmanien ging es per Direktflug nach Auckland, der größten Stadt Neuseelands. Und was für ein unglaubliches Glück für uns, wir wurden abgeholt. Eine Berliner Freundin hat uns mit Hans verkuppelt – einem Belgier, der lange in Berlin lebte und den es samt Familie hierher verschlagen hat. 

Besonders beeindruckt waren wir vom 7-jährigen Sohn, der sich mit uns fließend auf Deutsch unterhielt, weil er die Kindergartenjahre in Berlin verbracht hat, mit dem Vater wechselte er ins Niederländische und mit der Mutter sprach er Arabisch. In der Schule redet er natürlich Englisch und lernt ein paar Worte Māori. Und wir? Wir suchen nach wie vor ein bisschen zu oft nach den richtigen Worten im Englischen. Gemein!!!

Arbeiten für Kost und Logis – Wwoofen in Neuseeland 

Unser nächster Stopp für drei Wochen Arbeit lag zum Glück nur 60 km südlich von Auckland – das Pongarosa Equestrian Centre. Hier leben drei Generationen unter einem Dach. Die Großeltern und Tochter, die aus den Niederlanden ausgewandert sind, plus der Enkelin – ein waschechter Kiwi. 

Und wow, für uns war das eher wie Urlaub als Arbeit. Mit Monique (der Enkelin) hatten wir rasch eine Verbündete, mit der wir uns alle Teile von „Herr der Ringe“ sowie dem „Hobbit“ angucken konnten. Und nachdem wir diese Epen verschlungen hatten, führte sie uns in die Soap „Heartland“ ein, mit 17 Staffeln eine der längsten kanadischen Serien überhaupt. Inhalt: die aufregenden Abenteuer auf der Pferdefarm Heartland. 🙂

Apropos Urlaub. Für die Wochenenden bekamen wir das große Familienauto und konnten so in aller Ruhe die Nordinsel Neuseelands erkunden. Unser erster Ausflug ging nach Hobbiton – dem Filmset an dem die Szenen im Shire gedreht wurden, also der Heimat der Hobbits. Mit frischen Filminhalt im Kopf erkundeten wir die pittoreske Gegend. Ein bisschen mehr Nerdwissen hätten wir uns an einigen Stellen von der Führung schon gewünscht.

Am nächsten Wochenende ging es dann nach Rotorua, bekannt für die geothermalen Aktivitäten – sprich jede Menge Hotpools, brodelnde Schlammlöcher, heiße Quellen und schwefelige Ablagerungen. Wir tauchten buchstäblich in eine andere Welt ab und badeten sogar in einem heißen Fluss mitten im Wald. Was für eine abgefahrene Erfahrung, unter einem warmen Wasserfall zu sitzen und in den Wald zu schauen. Auch unser Campingplatz lag direkt an einer heißen Quelle und so dümpelten wir glücklich in diversen Pools herum.

Die drei Wochen vergingen schnell, wir haben den Garten umgegraben, Steine verlegt, den Springlatz für die Pferde neu aufgebaut, gepinselt … Der einzige Wermutstropfen: Trotz Pferdefarm kam Dana leider nur wenig zum Reiten.

Etwas absurd und befremdlich war die große Liebe des Großvaters für die ZDF Hitparade. Den ganzen Tag lief im Haus deutsche Volksmusik und alte Schlager hoch und runter. Das ständige Humpfdada war nicht immer einfach zu ertragen. Und die Großeltern erwiesen der niederländischen Kochkunst alle Ehre. Soll heißen, alles was es so zu frittieren gibt, wurde in die große Friteuse geworfen. So viel in Fett gebackene Kartoffeln und Fleischprodukte mit Mayo und Ketchup haben wir selten in unserem Leben gegessen. 

Bewegte Bilder von der Nordinsel.

Weiter geht’s – Wandern im Tongariro Nationalpark

Natürlich wollten wir uns auch die Südinsel nicht entgehen lassen und haben geschickt unsere nächste Farm dort gesucht. Für die Anreise nahmen wir uns eine Woche Zeit; genug um noch möglichst viel zu erkunden. Ohne Auto ist das in Neuseeland allerdings eine echte Herausforderung! Öffentliche Verkehrsmittel sind hier schlecht ausgebaut. Es gibt eine Busgesellschaft (InterCity), die die großen Städte anfährt, aber die Verbindungen sind oft eher mäßig, die Fahrten dauern ewig und sehr günstig ist es auch nicht. Wie immer bleibt die Erkenntnis: Reisen ist einfach  an viel Organisation gekoppelt. Aber am Ende stellen wir auch immer wieder fest: Wahnsinn, was wir dann doch alles sehen. 

Im Tongariro Nationalpark haben wir uns auf den Alpine Crossing Walk gewagt, angeblich die schönste  Eintageswanderung Neuseelands. Ganze 20 km kämpften wir uns durch die atemberaubende Vulkanlanschaft und mit uns ganz viele andere Tourist:innen. Jaaa, die Beine taten uns danach wirklich weh, aber beeindruckend war es allemal!

Unser letzter Stopp auf der North Island: Die gemütliche Hauptstadt Wellington. Dort schlenderten wir ins „Te Papa Tongarewa“ – dem Nationalmuseum und in die Wētā Workshops. Letztere haben die Requisiten zu „Lord of the Rings“ (und zu vielen anderen internationalen Filmen) hergestellt und so lernten wir jede Menge über die Schwertherstellung – in der eigenen Schmiede – über Masken und Prothesen und wie Anzüge, Waffen sowie Deko produziert werden. Wellington hat uns auf jeden Fall gut gefallen, viele kleine hippe Cafés und kein Großstadttrubel, dafür eine schöne Hafenpromenade und kleine Gassen im Zentrum.

Ankommen auf der Südinsel

Von Wellington legt die Fähre auf die Südinsel ab. Man fährt ca. 4 Stunden auf die andere Seite. Unser erstes Ziel dort: Christchurch. Auch hier wollten wir uns durch einen Museumsbesuch weiterbilden. Gerade die Geschichte der Māoris hätte uns sehr interessiert. Nachdem in Wellington die Etage über die ersten Einwohner:innen der Insel wegen eines Polizeieinsatzes gesperrt war, war nun in Christchurch fast das gesamte Museum wegen Umbaus unzugänglich. So haben wir unsere Zeit im botanischen Garten (Ankes Lieblingssightseeingpunkt überall auf der Welt) verbracht und eine kostenlose Nadelbaumführung bekommen. Definitiv auch spannend, aber nicht die dringendste Wissenslücke, die gefüllt werden musste. 

Doch dann ging es auf zu Luce, James und ihren 2 Kids. Auf einer neuen Farm anzukommen, ist immer aufregend. Trotz ausgefeilter Profile und viel hin und her Geschreibe, weiß man nie so ganz genau, was einen erwartet. In diesem Fall ein wunderschönes Meeresgrundstück mit direktem Zugang zum ausgedehnten Strand. Neben drei Pferden für Dana, gab es auch einen Permakulturgarten für Anke. Die Arbeit war abwechslungsreich und nicht allzu anstrengend. Jede Menge Holzschnipsel mussten als Mulch verteilt werden, neue Pflanzen – meist Flachs – angepflanzt werden, das obligatorische Unkraut gejätet werden und die Pferdeliebhaber:innen unter euch wissen: ein Pferd äppelt gerne bis zu 12x am Tag und so kommt man mit Pferdeäpfeln einsammeln eigentlich nie hinterher. 

Da für unsere Hosts reichlich Familienbesuch über die Feiertage anstand, verbrachten wir Weihnachten allein in Queenstown – ein schönes Städchen in den Bergen (den Neuseeländischen Alpen) und direkt am See gelegen. Ein Manko für uns: Jeglich denkbare Touristenattraktion war hier buchbar: ob Bungee-Sprung, Zipline, Fallschirmgleiten oder Jetski und Wasseraction. Uns war das alles etwas zu rummelig und so wanderten wir recht ruhig am 24. zum Ben Lomond. Im Anschluss verbrachten wir noch eine Nacht im Zelt in der Natur, weit weg vom Trubel. Das ist einfach mehr unser Stil.

Auf dem Rückweg zu Farm holte uns netterweise unsere Gastfamilie mit dem Auto auf halber Strecke ab und machte mit uns einen kleinen Abstecher zum Mt.Cook, dem höchsten Berg Neuseelands. Gut, wir haben ihn nicht bestiegen, dafür zu seinen Füßen gepicknickt und im kalten Gletscherfluss gebadet. Brrr…

Plötzlich Housesitting – Silvester auf dem Land 

Über Silvester hatten wir dann das ganze Haus für uns alleine und kümmerten uns 4 Tage um Hof und Tiere. Am 31.12. fuhren wir in den nächsten Ort  – Oamaru – und blickten auf unser persönliches Jahr 2023 zurück. Letztes Jahr verbrachten wir Weihnachten und Silvester in Laos und hatten unsere Räder dabei. Zwischendurch genossen wir den Sommer in Berlin und nun sind wir schon wieder 4 Monate unterwegs. Wir sind immer ganz sprachlos über unsere Reiseabenteuer. 

Nach einer lustigen Akrobatikshow im Stadtark von Oamaru entflohen wir bibbernd dem Regen und flüchteten schnell ins warme Haus vor den Kamin. Irgendwie ist das mit dem Sommer nicht ganz so, wie wir uns das vorgestellt haben. Eigentlich sollten hier schön die warmen Sommermonate sein, doch wir hatten bisher viele verregnete und frische Tage. Mit einem verflohten und einem dauerverängstigend Hund, sowie einer schnurrenden Katze, die nur frisst, wenn man mit ihr zusammen ins Bad geht (wo ihr Futternapf steht), verbrachten wir den Rest des Abends vor dem Fernseher. Draußen zuckten die Blitze und der Donner grummelte. Punkt 0 Uhr passierte dann … gar nichts. Keine Rakete, kein Feuerwerk. Nichts. Wo wir in Berlin immer das nervige Geböller verdammen, vermissten wir hier ein bisschen bunte Himmelsdekoration durchaus. 

Und jetzt? Was bleibt von Neuseeland?

Womit wir vor unserer Reise nicht gerechnet hätten, ist, dass wir – trotz dem Fokus auf Farmen zu arbeiten – so viele Ausflüge machen konnten und so viel entdeckten.

Auch rund um unsere zweite Wwoofing-Farm auf Neuseeland gab es viele kleine aufregende Sightseeing-Punkte. Die runden Boulder von Moeraki oder eine Seelöwenkolonie. Nicht zu vergessen die Elephant Rocks oder alte Māori Zeichnungen an Felsen. 

Mit der Zeit lernten wir mehr und mehr Familienmitglieder von James kennen und so siedelten wir nach 2 Wochen einfach zu seiner Schwester weiter, die Hilfe mit jeder Menge gefällter Bäume brauchte. Und super, dass sie auch noch Pferde zum Reiten hatte. Dana war im Himmel als sie mit Hank am Strand langtrabbte, während das alte Pony Winny sich genüsslich in den Wellen wälzte. Und zwischendurch erfreuten uns ihre Kids mit kreativen Spielen.

Schweren Herzens zogen wir schließlich weiter, schließlich stand noch Western Australia auf unserer Bucket List. Mal wieder mussten wir feststellen, dass die Gastfreundschaft in der Ferne einfach unfassbar ist. Allen Familien, bei denen wir anpackten, war es wichtig, dass wir auch wirklich Neuseeland entdecken. Sonja (auf der Nordinsel) lieh uns ihr Auto. Bei James und Luce konnte Dana häufig Surfen gehen, und Steph (die Schwester am Ende) versorgte uns nicht nur täglich mit Desserts, sondern erfüllte Dana den Pferdemädchen-Traum, mit einem Austritt am Strand. Zum Abschluss gab es sogar ein großes Familienessen mit allen Geschwistern und (zu unserer großen Freude) inklusive Verkleidung… Ach Neuseeland, wir brauchten eine Weile, um die Begeisterung aller Touris zu teilen, aber jetzt werden dich doch ganz schön vermissen.

Teil II: bewegte Bilder von der Südinsel.

Für die Pferdefans unter euch hier noch ein kleines Horse-Special:

#92 Neuseeland: Wir können auch Housesitting

Time to say Goodbye. Unsere Zeit in Neuseeland geht langsam dem Ende entgegen. 😞 Ganze zwei Monate hatten wir für beide Inseln. Wie ihr in den letzten Posts sehen konntet, entdeckten wir dabei jede Menge erstaunliche Ecken des Landes.

Dabei haben wir die meiste Zeit (ganze 6 Wochen!) auf Farmen mit angepackt. Und wir durften sogar zweimal Housesitterinnen sein (also für ein paar Tage ganz alleine auf Haus und Hof aufpassen). Das war ganz schön viel Verantwortung mit all den verschiedenen Tieren und ihren speziellen Bedürfnissen – hat uns aber trotzdem sehr gut gefallen.

Jetzt wwoofen wir noch ein paar letzte Tage bei Steph und ihren drei Kids. Wir sind einfach von unserer letzten Gastfamilie zur Schwester nebenan gewechselt. Doch vor dem Umzug gab es noch eine lustige Wasserrutschenparty mit allen Kids von beiden Höfen. 🌊🎉

Und dann heißt es bald: Goodbye New Zealand, hello Western Australia. 🇦🇺

#91 Neuseeland: Goodbye 2023

Happy New Year! 🥂🎉 Wow. Wie die Zeit vergeht, letztes Silvester verbrachten wir noch mit unseren Rädern in Laos und nun sind wir – nach einem aufregenden Berliner Sommer – wieder weit weg von zu Hause in Neuseeland. Manchmal können wir unsere ganzen abenteuerlichen Erlebnisse selbst kaum glauben. Was das nächste Jahr wohl bringt?🤔💭

Die Zeit zwischen den Jahren haben wir genutzt, um Dinge zu machen, die wir mögen und uns entspannen: in die Natur gehen, neue Orte entdecken, Reisen…  Nicht nur sind wir zum Ben Lomond gewandert, sondern schlugen unser Zelt sogar mit Blick auf die Neuseeländischen Alpen auf.

Unsere aktuelle Gastfamilie war mit uns am Mount Cook (Neuseelands höchsten Berg) mit Aussicht auf den Gletscher. 🏔️Dafür packen wir jetzt noch mal ein paar Tage ordentlich an und kümmern uns um Tiere und Hof.🧑‍🌾🐎🐕🐈‍⬛🌳

#90 Neuseeland: Weihnachten mal anders

Ho. Ho. Ho.🦌🔔 Wir wünschen euch frohe Feiertage und eine erholsame Zeit am Jahresende.🎄🧘 Gerade gönnen wir uns im touristischen Queenstown eine kleine Auszeit vom Wwoofen. 🚡

Vor ein paar Tagen besuchten wir in der Küstenstadt Oamaru das Steampunk Museum – das war schön schaurig. Zusammengeschweißte Maschinen und reichlich Zeit zum Spielen mit elektronischen, dampfenden Skulpturen. Und nicht nur das – die ganze Stadt ist im Steampunkrausch.🚂💨

Unsere erste Farmwoche auf der Südinsel von Neuseeland geht damit zu Ende. Es war wunderbar bei Lucianne, James und ihren Kids. Wir stürzten uns auf die Gartenarbeit und Dana trainierte etwas die Pferde, während im Hintergrund das Meer rauschte.🌅

Obendrein gab es einen fantastischen Familienausflug zu den kugelrunden Bouldern von Moeraki, inklusive jeder Menge Seelöwen. Die Legende besagt, dass die Boulder Reste von Aalkörben, Flaschenkürbissen und Süßkartoffeln seien, die vom Wrack des legendären Kanus Arai-te-uru an die Küste gespült wurden. 🪨🍠🌊 Dieses brachte einst 15 Stammesführer der Māori nach Neuseeland.

#89 Neuseeland: Wwoofen am Strand

Juhu, Farm Nummer 3! 🐎🧑‍🌾 Wir sind auf unserem nächsten Wwoofing-Hof (auf der Südinsel von Neuseeland) angekommen. Hier ging es sogleich mit den Pferden zum Strandspaziergang, denn das Grundstück liegt direkt am Meer. Und so war Dana sogar schon surfen, während Anke fleißig im Permakulturgarten half.

Glücklich und erschöpft kamen wir hier an. Denn mit Bus, Fähre und ein wenig Trampen haben wir uns von der Nord- zur Südinsel durchgeschlagen. Ohne Fahrräder ist Reisen für uns ganz schön viel Orga-Aufwand. Zumal in Neuseeland das Busnetz nur größere Städte abdeckt und es im ganzen Land kaum Züge gibt.

So hatten wir einen kleinen Zwischenstopp in Wellington und entdeckten die Hauptstadt inklusive kostenlosen (!) Nationalmuseum „Te Papa Tongarewa“ und alternativen Cafés. Und in Christchurch – der größten Stadt auf der Südinsel – verbrachten wir einen wunderschönen Abend mit einer Musikperformance namens „Babylon Berlin“, die reichlich Brecht-Texte aus der „Dreigroschenoper“ lieferte. 😅

#88 Neuseeland: Wandern in Mordor

Ganze 20 km sind wir an einem Tag gewandert! 😱 Wie Frodo und Sam stapften wir tapfer nach „Mordor“ mit Blick auf den „Schicksalsberg“. Im neuseeländischen „Tongariro National Park“ führte unser Weg vorbei an warm dampfenden Schloten, rauf zum Rand des „Red Craters“ und schließlich zu den smaragdgrünen „Emerald Lakes“.

Der 2.291 m hohe Vulkan „Mount Ngauruhoe“ diente (aufgemotzt mit Spezialeffekten) in „Herr der Ringe“ als „Feuerberg“ und zieht in der irdischen Realität täglich hunderte Touristen an. Und das obwohl das spektakuläre „Alpine Crossing“ mal eben 8 Stunden dauert (mit 840 Höhenmeter Aufstieg). Unsere Beine (und Füße, Hüften, Rücken…) haben jedenfalls ganz schön gelitten. 😫 Aber es war fantastisch, trotz der vielen Leute! … Und ganz ohne die Last des einen Ringes. 💍

Damit haben wir unsere zweite Farm auf dieser Reise verlassen und brechen nun Richtung Südinsel auf. Vielen Dank Sonja und Monique für diese entspannte, gesellige und beeindruckende Erfahrung. Dank euch konnten wir so viel mehr in Neuseeland entdecken.

#87 Neuseeland: Auf nach Hobbiton!

Willkommen bei den Hobbits.🏞️ Die Filmfans unter euch wissen natürlich: In Neuseeland wurden „Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ gedreht. Bestens vorbereitet (Filme, Bücher und Hörspiele dienten als Reiseunterhaltung) fuhren wir nach „Hobbiton“, dem ehemaligen Farmland, das als Filmkulisse für die Heimat der Hobbits diente und seitdem eine absolut massentaugliche Sehenswürdigkeit ist. Und? Für Anke war das ein lustiger und gelungener Geburtstag. 🎉🥳

Außerdem entdeckten wir die Gegend um Rotorua und schlugen unser Zelt ganz in der Nähe von Thermalquellen auf. Blubbernde „Mud Holes“, mystisch aufsteigender Dampf mitten im Wald und sogar ein neonfarbenes Wasserloch bestaunten wir. Bei all den geothermalen und vulkanischen Aktivitäten wurden wir ganz ehrfürchtig.🌋🌏

P.S. Auch wenn es auf den Fotos nicht so aussieht, arbeiten wir eigentlich noch auf einem wunderbaren Hof, aber Dank unserer fantastischen Gastfamilie können wir am Wochenende sogar mit dem Auto die Nordinsel Neuseelands erkunden.

#86 Neuseeland: Das Leben ist doch ein Ponyhof!

Endlich ist unser Leben ein Ponyhof.🤠🐎  Anke baut fröhlich kleine Sprünge fürs Pferdetraining, während in den grünen Hügeln Neuseelands die Pferde grasen. Denn unsere erste Farm hier ist das Pongarosa Equestrian Centre … und Dana ist happy zwischen Pferden (6-8) und  Kühen (ganze 180!). Sie hat sogar schon beim Melken geholfen.🐄🥛

Unsere neuen Gastgeber leben in einem 3-Generationen-Haushalt zusammen und kommen ursprünglich aus den Niederlanden. Wenn uns mal ein Wort im Englischen fehlt, hilft uns oft das Niederländische weiter.

Obendrein bleibt neben der Arbeit reichlich Zeit für kleine Ausflüge in die neuseeländische Natur. Hier ein romantischer Wasserfall, da das blaue Meer und dort ein paar Hügel mit Schafen wie bei den Hobbits … Aber dazu in der nächsten Woche mehr.🏞️🎥

# 85 Rückblick: Leben und Reisen in Tasmanien

Das ist nun also unser Sabbatical Teil 2. Der Plan: 4 Monate Australien und Neuseeland. Warum? Wir wollen noch etwas unser Englisch aufpeppen. Damit das gelingt, leben und wwoofen wir diesmal möglichst viel auf Familienfarmen und konsumieren englische  Bücher, Hörspiele, Podcasts sowie Filme. Los ging’s Mitte Oktober. 

Wie bei unserer langen Weltreise mit dem Fahrrad blicken wir nach jedem Reiseabschnitt ausführlich zurück. Nun haben wir bereits vier Wochen auf Tasmanien verbracht und sind gerade nach Neuseeland geflogen. Es ist also an der Zeit für die erste umfassende Retroperspektive:

Nicht schlecht. Diesmal flogen wir relativ entspannt los. Der Trick? Im Gegensatz zum letzten Mal, hatten wir uns kurz vor der Abreise nicht mit ganz so vielen Terminen vollgepackt, wie vor unserer großen Radreise. Und so standen wir zwar müde, aber guter Dinge pünktlich um 7:30 Uhr am BER – 2 Stunden vor Abflug.

Für den insgesamt 28-stündigen Flug hatten wir uns für Scoot entschieden – eine Billigairline aus Singapur. Preislich unschlagbar. Aber, tja… alles andere als komfortabel. Da Plätze reservieren extra gekostet hätte, saßen wir nicht zusammen und recht schnell mussten wir feststellen, dass wirklich gar kein Essen inklusive war, nicht einmal ein klitzekleiner Snack oder ein Glas Wasser und das bei 12 Stunden Nonstop von Berlin nach Singapur! Sprich, das Geld, das wir beim Buchen gespart hatten, mussten wir sehr schnell wieder für Essen und Trinken ausgegeben. Und Achtung! Offiziell durfte kein eigenes Essen mitgebracht werden. Ist das überhaupt legal? Natürlich waren wir die einzigen Dummen, die sich brav an die Regeln gehalten hatten. Anke war kurz davor, die beiden Jungs neben ihr K.O. zu schlagen, um sie von ihren prallgefüllten Vorratstüten zu befreien, aus denen die beiden fröhlich den ganzen Flug vor sich hinmümmelten.

Nach dieser ersten Anstrengung folgte ein 7-stündiger Aufenthalt in Singapur, den wir ausgehungert wie wir waren, nutzten weiter wild Essen zu kaufen und uns anschließend auf dem Boden zusammen kauerten, um nochmal 2 Stunden Schlaf zu bekommen. Nach über einem Tag reines Reisen kamen wir völlig erschöpft in Melbourne an, wo wir eine Nacht in der Nähe des Flughafens in einem Bed & Breakfast übernachteten, um am nächsten Tag gleich weiter nach Tasmanien zu fliegen. Was für eine anstrengende und lange Anreise. Nie wieder Billig-Airline auf einem Langstreckenflug! 

Und was sollen wir berichten? Wir hatten tatsächlich den schlimmsten Jetlag unseres Lebens. Beide wachten wir mehrere Nächte regelmäßig auf, um gegen 3 Uhr nachts putzmunter in unseren Betten zu liegen. Dazu kam, dass Anke mit völlig verkrampften Oberschenkeln vom Flug zu kämpfen hatte (die Sitze waren einfach zu winzig und hart), während Dana durch einen Bärenhunger aus ihren Träumen gerissen wurde, weil ihr Magen nun eigentlich dringend Mittag wollte. 11 Stunden Zeitverschiebung sind ein ganz schöner Brocken.

1 Monat Tasmanien – Ein Einblick.

Ankommen in Tasmanien  – Schockierende Geschichte

Teil 1 unseres Trips ist also Tasmanien. Aber wie ist es nun in  Australiens bevölkerungsärmsten Bundesstaat? Bis Ende 1855 nannten die europäischen Siedler die Insel Van-Diemen’s-Land. Anthony van Diemen war ein niederländischer Kolonialgouverneur, dessen Seefahrer Abel Tasman, weil er die Südküste Australiens verfehlte, 1642 in Tasmanien landete. 

Schockierend für uns: Die barbarische Kolonialgeschichte. 1803 errichteten die Briten die erste dauerhafte Siedlung und bereits rund 40 Jahre später waren die ursprünglichen 5.000 Aboriginal – die Palawan – quasi vollständig ausgelöscht. 

Ein weiteres dunkles Kapitel der Tasmanischen Geschichte: Zwischen 1804 und 1853 kamen rund 76.000 Strafgefangene nach Tasmanien, darunter viele Frauen und Kinder. Sie wurden zur Arbeit im Bau und Bergbau sowie auf Farmen und privaten Grundbesitz gezwungen. 

Von der düsteren Kolonialgeschichte ist bis heute kaum eine Aufarbeitung zu sehen. Während in Sydney oder Melbourne die Diskussion um Sichtbarkeit und Anerkennung der Geschichte und Kultur auch für unbedarfte Touris kaum zu umgehen ist, laden in Tasmanien einzig die diversen Gefängnisse mit Führungen und Gruseltouren ein. 

Wir verbrachten anfangs nur zwei Tage in Tassies Hauptstadt Hobart und buchten sogleich eine Walbeobachtungstour. Und wie wir schon berichteten – hat es sich tatsächlich gelohnt. Was für Klippen! Und natürlich Wahnsinn, wir haben Buckelwale gesehen… auch wenn wir dabei noch ganz schön vom Jetlag geplagt waren.

Farmarbeit im Paradise?

Ganze drei Wochen wwooften wir im Anschluss auf einer Farm im Norden von Tasmanien. Die Arbeit umfasste alles, was auf einer Farm so anfällt: Holz hacken, das Grundstück von Ästen und Gebüsch befreien, Rasen mähen, Unkraut zupfen, Hecken beschneiden … 

Gilles – unser Wwoof-Host – kam vor ca. 50 Jahren in Australien an. Als waschechter Franzose hört man noch immer sehr deutlich seinen Akzent. Seine Farm liegt idyllisch unweit der bekannten Cradle Mountains im Örtchen Paradise. Neben einer Kuhweide, einer Blackwoodplantage und Platz für Hühner, hat er auch noch einen feinen Gemüsegarten im Programm. Alles was so eine kleine Hobbyfarm in Australien halt braucht.

Und wir hatten ein kleines Highlight: Eines Morgens fanden wir statt drei Kühen vier auf der Weide vor, denn in der regnerischen Nacht ward ein kleines Kalb geboren. Wir waren natürlich ganz angetan von so viel frischgeborener Niedlichkeit. Doch Gilles – ganz Farmer – holte irgendwelche Zangen aus dem Schuppen, um dem kleinen Bullen, die kleinen Bällchen sofort abzuklemmen (zum Glück ohne Geschneide und Blut) und einen Marker im Ohr zu verpassen. Etwas beklemmt folgten wir unserem Host, der sich ein Bein des Kleinen schnappte und als es wild zappelte, bat uns das Baby festzuhalten, damit er die „Testikals“ erfühlen kann. Dana war mit ihrer Aufgabe gar nicht glücklich und flüßtere heimlich dem Kleinen Gesellen ein paar beruhigen Worte ins Ohr. So manche Aufgaben sind dann doch nichts für uns. 

Als gelernter Zimmermann hat Gilles sein Haus einst nach südfranzösischem Vorbild selbst gebaut. Das sieht von außen wunderschön pittoresk aus, aber ist im doch eher kühlen Klima Tasmaniens gar nicht so praktisch. Innen blieb es, trotz sich anbahnenden Frühlings, ganz schön finster und kühl. Heizung? Fehlanzeige. Leider gab es nur „romantische“ Öfen im Erdgeschoss. Auch zum Kochen schwörte der Hausherr auf einen alten Küchenofen mit Holz. Das klingt zwar irgendwie gemütlich, ist aber bei der Essenszubereitung oft schwierig, da man zuerst eine Stunde vorheizen musste, um anschließend mit sehr viel Geduld etwas zu braten oder langsam, langsam zu köcheln. Mikrowelle? Spülmaschine? Nope. Welcome to rural life. 

Dafür wurden uns hochmoderne Klobrillen geboten. Denn seine neue Frau ist Japanerin und hat scheinbar auf ihre Modelle bestanden. So hatten die Brillen viele überraschende Features: Wasserpritzen und Föhnen, aber auch stets mollig warm geheizte Sitzflächen. Anke fand das im kalten Haus gar nicht so schlecht. Vor allem waren die Bäder damit wärmer als die restlichen Räume – geheizt von der Klobrille. Nun gut …

Unser Plan, unser Englisch aufzubessern, ist bisher leider noch nicht so aufgegangen wie erhofft. Unser französischer Farmer war allein auf der Farm, weil seine Frau gerade in Frankreich wwoofte, so dass wir ganz auf ihn angewiesen waren. Leider hörte er mit seinen 72 Jahren nicht mehr so gut, das machte die Kommunikation teilweise etwas schwierig. 

Dennoch lernen wir fleißig Aussi-Slang. Die Australer:innen lieben putzige Abkürzungen. So ist ein Zimmermann ein Chippy (von Wood-Chip – Sägespäne) und ein Elektriker ein Sparky (von den sprühenden Funken). Ein Keks ist ein Bikky, ein  Laptop heißt Lappy und die nächstgelegene Stadt Launceston wird liebevoll  Launy genannt. Morgens aßen wir brekky (Frühstück – nicht das Katzenfutter!) und nachmittags machten wir eine Smoko (Kaffeepause). Ansonsten schallt einem überall das freundliche “G’day!” entgegen. Süß die Aussies!

Die Nachbarn: Wandern in den Cradle Mountains

Um letztlich doch noch etwas von der Gegend zu sehen und mehr Englisch zu sprechen, zogen wir spontan zu den Nachbarn weiter. Was für ein wahnsinniges Glück! Das nebenan lebende Pärchen bot uns an, mit uns einen Ausflug zu den beeindruckenden Craddle Mountains zu machen. Und nicht nur das, wir verbrachten gleich drei fantastische Tage mit ihnen. 

Die Cradle Mountains sind eines der Highlights auf Tasmanien und befinden sich in einem Nationalpark mit diversen Wanderrouten. Von 20 Minuten bis hin zu 6 Tages Wanderungen ist alles dabei. Wir stapften bei schönstem Sonnenschein 6 Stunden herum. Es war ein wunderschöner Tag mit toller Begleitung und abends fielen wir alle glücklich, aber erschöpft ins Bett. 

Die Tage mit Caroline und Andrew vergingen wie im Flug. Im gemütlichen Haus lasen wir und tranken lecker Tee. Caroline ist in Berlin–Charlottenburg geboren, während Andrew Künstler durch und durch ist. Wir hatten also jede Menge Gesprächsthemen. Um uns wenigstens ein wenig zu revanchieren, haben wir uns auch hier nochmal beim Holzschleppen und -hacken ausgetobt …

Eine neue Identität: Wir sind jetzt Backpacker!

Als Radreisende hatten wir uns sehr schnell wohlgefühlt. Vor allem Anke schaute immer sehr mitleidig die armen, armen Backpacker an, die vollgepackt mit mehreren Rucksäcken schwitzend zu einer entlegenen Bushaltestelle watschelten in der Hoffnung, dass eventuell ein Bus vorbeikommen möge und sie an ihr Ziel bringe. Wie viel schöner war es doch, sein eigenes Transportmittel dabei zu haben und unabhängig an jeden Ort der Welt zu radeln. 

Und nun sind wir selbst genau diese armen Backpacker. Wir sind noch dabei, uns in unsere neue Rolle einzugewöhnen. Wir  fühlen uns etwas unflexibel, aber klar ist das auch eine bisschen verklärte Sicht. Denn in Australien radelt man ja mal nicht eben eine kurze Strecke, um zum nächsten Sightseeing-Punkt zu gelangen. Die Lösung vermuten wir jetzt im Trampen. 

Weiter geht’s – Abflug nach Neuseeland

Zum Abschluss unseres Tasmanien-Abenteuers verbrachten wir noch einmal ein paar Tage in Hobart und wagten uns trotz des etwas unsteten Wetters für zwei Nächte auf einen Campingplatz. Unsere kleinen Sommerschlafsäcke schützten uns glücklicherweise auch bei 8°C Nachttemperatur. Denn wir haben diesmal unsere ultra komfortablen und warmen Langzeitreiseschlafsäcke – wegen des Rucksacks – in kleinere, leichtere Modelle getauscht. Doch puh, Test bestanden.

Diesmal machten wir in der gemütlichen Stadt das MONA (Museum of Old and New Art) unsicher. Ein privates Museum für moderne Kunst. David Walsh, gewann einst viel Geld beim Zocken im Casino und ist als erfolgreicher Geschäftsmann und Kunstsammler zurück in seine Heimatstadt gekehrt. Mit seinem Vermögen wurde er zum Museumsdirektor und eröffnete 2011 das MONA. Wir verbrachten viele Stunden in dem großen unkonventionellen, verschachtelten Gebäude mit allerlei Installationen, Gemälden, Werken und Mitmachkunst. Hier wohnte ein Harfenspielerin als Live-Performance, da blinkten ein paar Monitore hektisch und dort genossen wir im Dunkeln zarte klassische Klänge mit rauchigen Duftreizen. 

Das war nun unser erster Teil. Was bleibt also? Wieder einmal haben wir festgestellt: Die körperliche Arbeit im Freien liegt uns. Es ist einfach schön abends erschöpft von der frischen Luft und der Anstrengung einzuschlafen. Gleichzeitig merken wir, dass sich in neuen Haushalten einzugewöhnen und immer wieder Dinge für die Reise zu organisieren, doch ganz schön anstrengend ist. Und wir vermissen unsere Räder!

Erschöpft und ein wenig aufgeregt sind wir nun in Neuseeland angekommen.

#84 Tasmanien: Auf zum Cradle Mountain!

Juhu! 🤠🎉 Endlich haben wir es zum Cradle Mountain geschafft. Der Berg einschließlich des umgebenden Nationalparks ist eines der beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten in Tasmanien und gehört zum UNESCO-Welterbe.

Unsere erste Wwoof-Arbeit ist damit beendet, denn wir zogen spontan für ein paar Tage weiter zu unseren Farmnachbarn. Caroline und Andrew nahmen uns mit offenen Armen auf und zeigten uns in aller Ruhe das Naturschutzgebiet. Gemeinsam stapften wir auf 1.223 m Höhe zu Marions Lookout. Was für ein Ausblick! 😎☀️

Außerdem genossen wir die entspannte Stimmung im liebevoll eingerichteten Holzhaus zwischen Drachen, Eulen und Einhörnern. Morgens und abends erfreute uns Caroline mit den lieblichen Klängen der Harfe und tagsüber bewunderten wir zahlreiche detaillierte Zeichnungen und Gemälde von Andrew. Apropos Kunst: Im nächstgelegenen Ort Sheffield war gerade das berühmte „Mural Festival“, bei dem 9 Künstler:innen eine Woche im Jahr Zeit haben, ein Wandgemälde zu erschaffen – diesmal zum Thema „The Spirit of Adventure“.

Vielen Dank ihr beiden für diese fantastische Zeit!