#19 Rückblick: Goodbye Griechenland

Wir haben Griechenland verlassen! Nach ganzen acht Wochen Hellas, sind wir nun in Nordmazedonien angekommen und haben hier bereits fröhlich – mit einigen Rakis – das orthodoxe Ostern miterlebt. Höchste Zeit für einen ausführlichen Rückblick, denn ungefähr einmal im Monat wollen wir einen längeren Reisebericht teilen. Was hat uns bewegt? Wem sind wir begegnet? Wie geht es uns so? 

Nach drei Wochen Wwoofen haben wir schließlich schweren Herzens Ende März die wunderschöne Insel Kefalonia verlassen. Wir hatten gehofft, dass, während wir die Zeit mit Farmarbeit verbringen, der Frühling endlich eintreten würde. Denkste! Losfahren mussten wir auf dem Festland bei peitschenden Sturmböen von bis zu 80km/h… natürlich Gegenwind. Bereits in Patras gab es die erste kleine Überraschung: Die Fähre, die die Halbinsel Peloponnes von Patras mit dem Festland verbindet, fuhr wegen des starken Windes ein paar Stunden nicht. Aber für solche Momente haben wir immer eine adäquate Lösung parat: Kaffee und Kekse.

Also ging es mit anhaltenden Sturm Richtung Delphi. Der Weg zum Orakel brachte schnell neue Herausforderungen. Unsere ersten richtigen Berge! Denn die Kultstätte und das dazugehörige Örtchen liegen mit 700 Höhenmetern am Fuße des Parnass. Wie es sich gehört haben wir beim Strampeln ordentlich geflucht und gejammert. Anke hätte sich beinahe freiwillig den lauernden Hunden zum Fraß vorgeworfen, nur dass die wilden Tiere dann doch gar nicht so angriffslustig waren, wie sie taten. Kaum blieb Anke stehen und rief mit ausgebreiteten Armen theatralisch: „Dann fresst mich doch auf, ich kann eh nicht mehr“, blieben sie verdutzt stehen und warteten lieber skeptisch mit etwas Sicherheitsabstand.

Es war aber auch hart, bis zu 16% Steigung und Wind. Ankes Idee, die Welt zu umrunden ohne über Berge zu fahren, geht wohl doch nicht ganz auf. 😉

Brandenburg vs. Griechenland

Kaum in Delphi angekommen, wurden wir natürlich mit einer fantastischen Aussicht belohnt. Der Blick über das Tal voller Olivenbäumen reichte bis zum Meer. Da zum Wind dann auch noch Regen kam und Schnee vorausgesagt wurde, verzichteten wir aufs Zelten und schliefen zwei Nächte in einer kleinen Pension. Zu dieser Zeit lagen die Temperaturen in Deutschland deutlich über unseren 8 Grad. Auf radioeins warnten sie sogar immer wieder vor Waldbrandgefahr (danke Internetradio für diese Info!). Wer hätte gedacht, dass es geschickter wäre, im März durch Brandenburg zu radeln als durch das angeblich mediterrane Griechenland.

Natürlich haben wir dann auch die antike Stadt des Orakels bewundert. Dabei waren wir selbstredend nicht die Einzigen. Was uns dennoch sehr faszinierte: die zahlreichen Reisebusse mit französischen Schulklassen. So standen wir zwischen vielen gelangweilten Tennies und erfreuten die Lehrer: innen, dass wenigstens wir interessiert zuhörten.

Hunde bei Nacht

In den folgenden sechs Tage blieben wir komplett beim Wildcampen. Erkenntnis: Wir werden immer besser bei der Platzsuche. Olivenhain, Fluss oder Wiese am Feldweg, es gibt so viele Möglichkeiten. An dieser Stelle mal ein kurzer Exkurs zum Thema Hunde: Nicht nur dass sie einem immer aufgeregt hinter dem Fahrrad her rannten und dann doch nix tun. Nein! Es konnte mitunter auch passieren, dass sie Nachts ums Zelt stromerten und wirklich sehr ausdauernd laut kläfften. Und das nicht nur einmal, gerne auch zwei-, drei- oder viermal.. schön in regelmäßigen Abständen, damit wir garantiert nicht schlafen konnten. Das Bellen begleitete uns durch ganz Griechenland. Hinter jedem Zaun wohnten mindestens zwei Hunde, teilweise sogar bis zu 5! Sie alle schimpften lauthals, wenn sie uns sahen und animierten natürlich weitere Genossen mit einzustimmen. Anke war am Ende doch etwas genervt von den Vierbeinern. Und noch ein letzter unschöner Punkt zum Thema: Da es so viele Streuner gab, fuhren wir leider doch an so einigen Überfahrenen vorbei. Die Kadaver waren natürlich kein erbaulicher Anblick.

Kreative Kleidung im Kloster

Nach Delphi ging es für uns zu den nächsten Bergen. Metéora –  östlich des Pindos-Gebirges – ist bekannt für seine fantastischen Felsformationen, sowie für die alten Klöster, die hoch oben auf den Felsen thronen. Wir fanden in der Nähe tatsächlich einen geöffneten Campingplatz und freuten uns so wahnsinnig darüber, dass wir gleich ein paar Tage länger blieben. Nur leider ist Winter in Griechenland Glaubensfrage und die meisten Griechen glauben nicht kalte Tage. So war die lang ersehnte Dusche leider nicht so warm, wie wir erhofft hatten. Genau Genommen war sie ganz schön kalt, da die Solaranlage das Wasser bei den wenigen Sonnenstunden nicht so recht erwärmen wollte. Aber nach einer Woche mit kalten Nass aus unserem Wassersack, haben wir uns dennoch über fließend Wasser gefreut. Und das Campingplatz-Leben genossen wir sehr. Wir trafen viele nette Leute, hatten viele interessante Gespräche. 

Als wir mit dem örtlichen Bus zum höchsten Kloster fuhren lernten wir ein sympathisches Schweizer Pärchen kennen. Schnell beschlossen wir, den Tag zusammen zu verbringen. Und so wollten wir auch eins der alten Kloster gemeinsam besuchen. Draußen standen Schilder mit Kleidervorschriften, die wir eilig überflogen und abnickten. Männer mussten lange Hosen tragen, Frauen sollten auch kein Bein zeigen. Check. Diese Info hat uns erstmal gereicht. Als wir jedoch den Eintritt bezahlten, teilte uns der Mann an der Kasse mit, dass Frauen lange Röcke tragen MÜSSEN! Im ersten Moment waren wir erbost und überlegten sogar unser Geld zurückzufordern. Auch weitere 3 € für einen Wickelrock zu bezahlen, wollten wir nicht einsehen. Nachdem wir uns aber wieder einbekamen, fanden wir eine kreative Lösungen. Und so mussten unsere Jacken als „Röcke“ herhalten. Tatsächlich kamen wir mit diesem etwas merkwürdigen Outfit rein. Drinnen erkannten wir schnell, wer sich vorbereitet hatte oder wie wir völlig naiv einfach losgezogen war. Zirka dreiviertel der Frauen hatten die Chance genutzt, um ihre schönsten Röcke zu präsentieren. Die anderen hatten ein ähnlich bescheidenes Outfit wie wir. 

Das Kloster war prunkvoll eingerichtet, hatte viele bunte Verzierungen und eine fantastische Aussicht. Wir waren froh uns wenigstens eins von Innen angeschaut zu haben, um ein bisschen was vom Klosterleben, Geschichte und Kultur mitgenommen zu haben. Auch die beeindruckende Geschichte wie im 11. Jahrhundert diese Stätten auf den Felsen entstanden, hat uns stark imponiert. Aber am schönsten waren die Bauten, dennoch von Außen zu betrachten.

Wir sind dann gemütlich zu viert wieder zu unserem Campingplatz gewandert. Ein kleiner Weg führte durch die beeindruckenden Steinformationen. Als uns dann noch die Schweizer zu einem Kaffee an ihrem schicken Camper einluden, bei dem es natürlich nicht blieb – irgendwann stand auch der Whisky auf dem Tisch -, wurde der Tag immer schöner.

Neben den Klöstern ist Meteora auch als Klettergebiet bekannt. Da wir keine Kletterausrüstung dabei haben und noch nicht ganz so versiert am freien Fels sind, wollten wir eine begleitete Klettertour buchen. Gesagt getan. Nur stellte sich die gebuchte Tour als geführter Klettersteig heraus. Also leider doch nichts mit Klettern. Dennoch war es  beeindruckend und aufregend.

Zu den Göttern auf dem Olymp

In Griechenland jagte ein Highlight das Nächste. Nach Delphi und Metéora, machten wir uns auf den Weg zum Olymp. Beziehungsweise ins Gebirge Olymp, denn wie wir lernen mussten, handelt es sich bei dem Olymp nicht um einen Berg. Ist ja auch logisch. Wie sollen denn die ganzen Gött:innen auf einen einzigen Berg leben, da braucht es schon ein ganzes Gebirge. Am Fuße des Gebirges (bei Litochoro) einen Campingplatz zu finden war gar nicht so einfach. Zwar gab es zahlreiche, nur waren sie außerhalb der Saison alle noch geschlossen. Am Ende fanden wir einen Platz, der uns aufnahm. Drinnen stellte sich heraus, dass es sich dabei um eine noch ausgestorbene Dauercamping-Siedlung handelte. Nachdem wir das zuerst etwas befremdlich fanden, genossen wir die Einsamkeit der Vorsaison. Und so haben wir uns einen Tag einfach nur ausgeruht… und dabei viel gegessen! Dafür zogen wir am nächsten Tag los zu den Gött:innen. Leider war es bei unserer „kleinen“ Wanderung (13 km!) sehr wolkig. Lange sahen wir keinen Gipfel. Zuerst stapften wir etwas enttäuscht durch die Nebelschwaden, aber als dann plötzlich der Dunst aufriss und wir einen wunderbaren Blick auf die Berge erhaschten, während unter uns die Wolken sich an den Bergrücken schmiegten, hat es die Mühen wieder wett gemacht. Der Abstieg war allerdings besonders beschwerlich, da sich Danas Knie meldeten. Aber auch dieses Abenteuer haben wir letztlich sehr glücklich überstanden.

Thessaloniki – kulinarisches Ostern

Für unseren fulminanten Abschluss von Griechenland, hatten wir uns zu Ostern mit Arne, Soehnke und seiner Mutter Helga in der nördlichen Hafenstadt Thessaloniki verabredet. Nun kamen wir in die luxuriöse Situation, dass wir bis zum Treffen noch etwas Zeit abbummeln mussten, um nicht zu früh in der Großstadt zu landen. So fanden wir noch einen einsamen Strand, denn zum Glück stieg die Temperatur endlich mal auf 20° Grad (ällabätsch Brandenburg 😝). Damit konnten wir einen Pausentag mit Sonne, Strand und Meer genießen. Eine weiteren kleine Auszeit verbrachten wir auf einer idyllischen Wiese, wo wir 48 Stunden keine Menschenseele sahen. Diese Ruhe brauchten wir auch, um uns anschließend ins Verkehrschaos von Thessaloniki (nach Athen die zweitgrößte Stadt in Griechenland) zu stürzen. Metropolen, mit ihrem Straßenchaos und der Lärmbelastung, finden wir zunehmend anstrengend, aber um Dinge zu erledigen, ist es einfach praktisch. Wir fanden einen großartigen Fahrradladen, der Danas Bike von den schrecklichen Geräuschen befreite, die uns die letzten zwei Wochen sehr beunruhigt hatten. Die Ursache: Achsenbruch und eine abgenutzte Kette. Auweia. Danas Idee, dass wir in der ganzen Zeit keinen Fahrradladen betreten, ist damit auch obsolet. Unsere Fahrräder hatten dort jedenfalls einen richtigen Wellness-Aufenthalt und wurden liebevoll gepimpt, gesäubert und geölt. 

Als wunderschöne Überraschung tauchte obendrein am Osterwochenende unsere Freundin Svenja spontan auf. Wow! So zogen wir als große 6er Gang durch die Gegend. Wir vertilgten sämtliche Vorspeise Griechenlands, schwammen im Meer, bemalten Eier und tranken Ouzo… Hach, mit Freund:innen umherziehen, haben wir schon sehr vermisst.

Weiter geht’s – Nordmazedonien wir kommen

Aber schließlich haben wir uns dann trotzdem gefreut, wieder auf unseren Räder zu sitzen. Wir haben unsere Zeit in Griechenland wahnsinnig genossen und sind nachhaltig beeindruckend von der Freundlichkeit, die uns überall begegnet ist, ob im Supermarkt, beim Bäcker oder einfach so auf der Straße. Wir haben unglaublich viel geschenkt bekommen (vor allem Essen), sehr viele, sehr leckere Sachen vertilgt, uns zwischendurch gefragt, was eigentlich bei einer Überdosis Olivenöl passiert (falls jemand die Antwort weiß, wir sind gespannt), wunderschöne Landschaften und Berge bestaunt und sind rundum zufrieden, dass wir so lange in dem Mittelmeeranrainerstaat verbrachten. Selbst die Hunde haben uns am Ende das ein oder andere Mal amüsiert, weil sie dann doch oft eher kuschlige riesen Fellknäuele waren, als die gefährlichen Biester, für die sie sich ausgaben. Aber nun freuen wir uns auf den endlich anstehenden Frühling und sind gespannt, was uns in Nordmazedonien erwartet. Jámas!

Foto: Arne Haeger

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Veröffentlicht von Fabulous Female Cyclists

Ich bin gerade 14 Monate mit dem Fahrrad unterwegs. Berlin-Sydney

2 Kommentare zu „#19 Rückblick: Goodbye Griechenland

    1. Danke 🤩 Wir haben auch erst eine Weile gebraucht, um das Campen wirklich zu genießen. Aber mit unseren extra komfortablen Schlafsäcken und der 8cm dicken Isomatte, geht das ganz gut. Dennoch wissen wir den Wert eines bequemen Bettes, sehr zu schätzen.😉

      Gefällt 1 Person

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